ARGE Schöpfungsverantwortung kontakt newsletter bestellen sitemap impressum top_bar
top_bar
Home Button   ThemenSchöpfungszeitServiceSpendenNewsletter AktuellesDatenschutzÜber uns
PRESSEAUSSENDUNG: Nachhaltiger Lebensstil bekämpft Klimawandel
30 Jahre Ökosoziale Bewegung i/d kath Kirche
Was dem Leben dient
Klima Flugverkehr NGOs und Kirchen
Schenken Sie Umweltarbeit!
Advent - Weihnachten 2018
Fastenzeit 2018
Ökologie und Religion
Fachkommentare: Synergie von Ökologie und Religion
2. Fachkommentar
3. Klima
Save the Date: Symposium
Erderwärmung, Grünes Fliegen etc.
Schöpfungstag 2018
Schöpfungszeit 2018
Einladung Symposium
Mobilität 2018
Infoabend Multimodalität
Multimodalität 2018
SYMPOSIUM 2018
Rep Friedensaktiv. Kinder
Es geht um's Klima
-
ARCHIV  2014 bis 2017
suche
 
spacer
Seite druckenSeite weiterempfehlen
spacer
 

1. Theologie:

Die Kirche als Sauerteig des ökosozialen Wandels

von Markus Vogt, Katholisch-Theologische Fakultät der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München) [gekürzt]

Eine Theologie der Zeichen der Zeit, die die Kirche zunächst auf eine zuhörende und begleitende Rolle verweist und den Dialog als eine grundlegende Vollzugsform des Kircheseins versteht, entspricht in besonderem Maß dem theologischen Denken von Papst Franziskus. Sie ist ein hermeneutischer Schlüssel dafür, dass die Kirche den Glauben heute auf hilfreiche, einladende und sachkompetente Weise verkünden und sozialethisch handlungsfähiger werden kann. [...] Welchen Beitrag kann die Kirche zum notwendigen Wandel leisten und wie muss sie sich dabei selbst ändern?

Die ökologische Krise als Zeichen der Zeit

Eine Theologie der „Zeichen der Zeit“ versteht die Gegenwart prophetisch als Anruf Gottes: Sie wendet sich den Herausforderungen, Umbrüchen und Aufbrüchen der jeweiligen geschichtlichen Situation zu, um in diesen nach der verborgenen Gegenwart Gottes, der sich als ein Mitgehender offenbart hat und je neu offenbart, zu suchen.

Was sind „Zeichen der Zeit“?

Zeichen der Zeit sind jene Phänomene, die durch ihre Allgemeinheit und Intensität oder Häufigkeit eine Epoche prägen.

  • Zeichen der Zeit betreffen wesentliche Fragen des Menschseins; in ihnen geht es um Schicksals- und Heilsfragen.

  • Sie sind Situationen, in denen sich der Geist Gottes zu neuen Ausdrucksgestalten des Glaubens und der Menschlichkeit Bahn bricht.

  • Zeichen der Zeit beziehen sich auf Krisen, die eine Entscheidung des Menschen erfordern.

In ökologischer Hinsicht lässt sich daraus folgern: „Zeichen der Zeit“ sind nicht die Daten der Umweltkrise als solche, sondern die Umbrüche und Aufbrüche zu einem veränderten Bewusstsein und Handeln, die sich darin manifestieren. Diese gilt es dann, theologisch zu deuten sowie human, kulturell, gesellschaftlich und kirchlich zu integrieren.

Konsequenzen für die Wahrnehmung der ökologischen Krise

Nach Maßgabe dieser vier Kriterien kann man die Umweltkrise durchaus als ein Zeichen der Zeit auffassen: Sie ist ein epochales, mit tiefem Leid verbundenes Phänomen, in dem Aufbrüche zu einem neuen Verständnis der gesellschaftlichen Leitwerte sichtbar werden und das zu einer radikalen Umkehr auffordert.

Der ökologische Dialog als locus theologicus für die Gottesfrage

Die Umweltkrise ist eine ökologische und sozioökonomische Grenzerfahrung der Moderne. [...] In den existentiellen Erfahrungen der ökologischen Krise stellt sich heute auf vielfältige Weise die Gottesfrage selbst. Denn die Frage, nach dem, was/der in den existenziellen Gefährdungen von Zukunft heute Rettung und Neuorientierung zu geben vermag, muss sich hier ganz neu bewähren. Das Verhältnis von Gott, Mensch und Natur muss neu ausbuchstabiert werden. Es gilt, im Aufschrei der Kreatur den leidenden Christus zu erkennen und Naturerfahrungen als möglichen Ort der Gotteserfahrung in den Blick zu nehmen, ohne dabei die Natur unmittelbar zu divinisieren.

Welchen Beitrag kann die Kirche zur Bewältigung der Herausforderungen leisten?

„Sauerteig“ für einen Kulturwandel

Der garstige Graben zwischen den kognitiven Einsichten hinsichtlich eines verantwortbaren Naturumgangs und den in der Lebenspraxis sowie gesellschaftlichen Strukturen verkörperten Haltungen und Wahrnehmungsweisen kann nicht allein durch zusätzliche Argumente überwunden werden. Dies bedarf vielmehr eines Kulturwandels, der auch Emotionen, Sinnmuster, Gewohnheiten und Alltagspraxis anspricht. Hierbei kann die Religion eine entscheidende Rolle spielen. Christliche Ethik kann ihren Reichtum an narrativen, liturgischen und spirituellen Traditionen einbringen, die die Ethik in ein gelebtes Ethos übersetzen, indem sie gleichermaßen Herz und Verstand, tiefe Hoffnungen und alltägliche Lebenspraxis ansprechen. […] Nachhaltigkeit ist eine neue „Große Erzählung“ der Geschichte der Moderne.

Mitwirkung an einem neuen Gesellschaftsvertrag

Vieles spricht dafür, dass die gegenwärtige Situation des globalen Wandels, in dem sich ökologische soziokulturelle, technische und ökonomische Faktoren wechselseitig beschleunigen, historisch einzigartig ist. Sie löst bei vielen Menschen tiefe Ängste aus. Sie ist nur begrenzt plan- und kontrollierbar. Sie kann und muss jedoch sehr wohl gestaltet werden. […] Die Kirchen können wesentliche Elemente des nötigen normativen Wissens und der unverzichtbaren Sozial- und Freiheitsräume für die Ermutigung zu einem solchen neuen Gesellschaftsvertrages beitragen. Die Große Transformation besteht im Moduswechsel von einem unkontrollierten globalen Wandel hin zur Planetary Stewardship. In den Worten von Franziskus: Es gilt die Schöpfung als das „Gemeinsame Haus“ für alle Kreaturen wahrzunehmen und in verantworteter Haushalterschaft zu gestalten.

spacer
spacer
  Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung | Peterskirche - Petersplatz 1, 1010 Wien
E-mail: office(at)argeschoepfung.at  | Tel: +43 660-76 000 08 | letzte Änderung: 24-04-2018