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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

es freut uns sehr, Ihnen wieder unseren monatlichen Newsletter_Neu senden zu dürfen. Der bewährten Gliederung folgend finden sie einen Fachbeitrag, diesmal über den Wert der Natur, einen theologischen Beitrag von Prof. Markus Vogt und ein optimistisch stimmendes Porträt der Benediktinerabtei Plankstetten in Bayern. Diese drei Artikel verbindet ein zentrales Zukunftsthema: Die Auswirkungen des derzeitigen Wirtschaftsmodells auf die Natur und mögliche Alternativen dazu.

Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre,

Ihre ARGE Schöpfungsverantwortung

Ökosystemleistungen - Wie viel ist die Natur wert?

Quelle: Bundesanstalt für Bergbauernfragen

Einleitung
Ökonomie und Ökologie befinden sich in der industrialisierten Welt oftmals in einem Gegensatz. Bauwirtschaft, Ressourcenentnahme und Müllentsorgung stehen oft im Gegensatz zur Erhaltung von natürlichen Lebensräumen. Aufgrund begrenzter Ressourcen und der zunehmenden Zerstörung von Lebensräumen rückt aber in den letzten Jahrzehnten immer mehr die Abhängigkeit der Wirtschaft von funktionierenden ökologischen Prozessen in den Fokus. Zusätzlich werden gerade in einem Tourismusland wie Österreich die Verdienstmöglichkeiten an der Natur stärker betont.
Um die Bedeutung der Natur für die Wirtschaft aber abbilden zu können, ist eine „Übersetzung“ in wirtschaftliche/monetäre Begrifflichkeiten notwendig. Dieser Fachbeitrag beschäftigt sich mit den theoretischen und praktischen Versuchen, den Wert der Natur monetär auszudrücken. Großteils folgt dieser Beitrag dabei dem bemerkenswerten Forschungsbericht von Josef Hoppichler (Bundesanstalt für Bergbauernfragen): „Vom Wert der Biodiversität“, erlaubt sich am Ende aber auch noch ein paar zusammenfassende Bemerkungen.


Kategorisierung von Ökosystemleistungen
Um die verschiedenen Arten des Einflusses der Natur auf wirtschaftliche Prozesse begrifflich fassen und unterscheiden zu können, wird der Begriff der Ökosystemleistungen herangezogen. Aus einem zutiefst anthropozentrischen Weltbild heraus werden ökologische Prozesse auf ihren Wert und Beitrag für die menschliche Wirtschaftsweise hin untersucht und kategorisiert. In der zu diesem Thema existierenden Literatur werden Ökosystemleistungen in vier verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Versorgungsleistungen: Nahrungsmittel, Rohstoffe wie Holz, medizinische Pflanzen,…
  • Regulierungsleistungen: Wasserreinigung, Klimaregulierung, Bestäubung,…
  • Kulturelle Leistungen: Erholung und Tourismus, Spirituelle Erfüllung,…
  • Unterstützende Leistungen: Nährstoffkreislauf, Biodiversität,…

Nach der Kategorisierung müssen die einzelnen Ökosystemleistungen mittels geeigneter Verfahren monetär bewertet werden. Hier offenbart sich aber ein Problem, da einzelne Leistungen wie Nahrungsmittel bereits einen Preis haben, die Klimaregulierung aber beispielsweise noch nicht.


Ökosystemleistungen als Privat- oder Allgemeingüter
Diese beiden Leistungen unterscheiden sich nämlich in einem entscheidenden Aspekt: Während Rohstoffe und Nahrungsmittel meist als Privatgüter auftreten, also von jemanden besessen werden und dadurch auf einem Markt verkauft/gekauft wird, kann kein Mensch von der Nutzung der Atmosphäre als CO² Speicher ausgeschlossen werden. Die Leistung Klimaregulierung ist somit ein Allgemeingut, das nicht auf einem Markt gehandelt wird und frei verfügbar ist. Der Klimawandel, also die Überlastung der Atmosphäre mit klimaaktiven Gasen ist somit ein Beispiel für die „Tragik der Allmende“. Der einzelne Akteur überschreitet den ihm zustehenden Teil der Allmende, maximiert somit seinen eigenen Vorteil, alle zusammen zerstören aber auf lange Sicht das ganze System. Ökonomisch spricht man in diesem Fall von externen Kosten, da der einzelne Akteur die verursachten Schäden nicht selbst trägt, sondern der Allgemeinheit aufbürdet.


Sinn der monetären Bewertung von Ökosystemleistungen - Ausgleichszahlungen
Genau hier liegt die Bedeutung der Definierung und Messung von Ökosystemleistungen. Durch die Quantifizierung dieser Leistungen kann in weiterer Folge ein Preis dafür verlangt werden und die vormals externen Kosten können internalisiert werden. Auf CO² intensive Produkte und Dienstleistungen (Fleisch, Flüge) könnte dann eine zusätzliche Steuer erhoben werden, deren Ertrag von den Regierungen entweder in die Verringerung des Treibhausgasausstoßes an andere Stelle investiert oder für die zukünftig notwendigen Adaptierungsmaßnahmen aufgespart werden könnte.
Während Steuern oder Emissionsrechte innerhalb eines Staats/ eines Staatenbündnisses genutzt werden, sind aber auch ökologische Ausgleichszahlungen über Staaten hinweg üblich. Grundbesitzer oder auch indigene Gemeinschaften in Mittel-/Südamerika erhalten beispielsweise Zahlungen aus Amerika und der EU, damit der Regenwald bestehen bleibt und dadurch CO² eingespart wird. Dadurch erfüllen westliche Unternehmen oder auch Staaten (z.B. Österreich zur Erreichung der Kyotoziele) ihre Reduktionsziele und finanzielle Mittel fließen in den „armen Süden“. Diese Vorgangsweise wird aber zu recht auch von vielen Seiten kritisiert, da sie nachhaltige Änderungen im industrialisierten Norden aufhält und gleichzeitig die Entwicklungsmöglichkeiten der noch „natürlicheren“ Gesellschaften einschränkt.


Ausgleichszahlungen in der Landwirtschaft
Während Ausgleichszahlungen in Form von Emissionsrechten im Klimaschutz schon erprobt sind, steht man bei anderen ökologischen Krisen wie dem ständigen Verlust an Biodiversität erst am Anfang der Entwicklung. Erste Schritte wurden hier bei der Landwirtschaft gesetzt. Dass EU-Gelder vermehrt an Landwirte fließen, die durch eine schonende Bewirtschaftung die Biodiversität erhalten, die Bodenfruchtbarkeit fördern, die Wasserqualität heben,… also Ökosystemleistungen sicherstellen und dadurch auf einen höheren Ertrag verzichten, kann als eine andere Form von Ausgleichszahlungen angesehen werden. Dabei ist in Zukunft eine noch stärkere Anerkennung ökologisch arbeitender Bauern und die Abkehr vom Gießkannen-Prinzip notwendig. Genau hier liegt auch eine große Chance für die kleinteilig organisierte Landwirtschaft in den österreichischen Bergregionen. Das Prinzip der Ökosystemleistungen betont die wichtige und vielseitige Rolle der Landwirte für die Lebensräume in den Bergen.


Schlußbetrachtungen und Kritik
Das Konzept der Ökosystemleistungen nimmt im derzeitigen, stark wirtschaftszentrierten Diskurs eine wichtige Rolle ein. Sogar Naturschutzgebiete müssen derzeit ja als regionaler Wirtschaftsmotor angepriesen werden, um realisiert werden zu können. Durch die Bewertung von Ökosystemleistungen kann deren Bedeutung für den Menschen besser abgebildet werden und die drastische Situation der zunehmenden Verknappung natürlicher Güter wird offensichtlicher.
Gleichzeitig mangelt es aber an der Umsetzung der notwendigen Ausgleichszahlungssysteme. So führte das europäische Emissionshandelssystem aufgrund der Wirtschaftskrise und zu billigen Zertifikatspreisen bis dato zu keiner nennenswerten Verringerung der CO² Emissionen.
Das bedeutendste Argument gegen das Konzept der Ökosystemleistungen ist aber die Reduzierung der ökologischen Prozesse auf ihren wirtschaftlichen Wert. Die ganze Natur wird somit zutiefst anthropozentrisch als Inputfaktor für das menschliche Wirtschaften angesehen. Der Eigenwert der Schöpfung wird nicht anerkannt.
Während also das Konzept der Ökosystemleistungen kurzfristig zu effektiven Umweltpolitiken beitragen kann, ist auf lange Frist eine erneute Anerkennung des Selbstwertes der Schöpfung und eine Rücknahme der menschlichen Ansprüche notwendig. Pointiert drückt das der deutsche Aphoristiker Gerhard Uhlenbruck aus: „Inzwischen wissen wir, was uns noch blüht – nämlich immer weniger!“

Den ganzen Bericht von Josef Hoppichler finden sie hier: http://www.berggebiete.eu/cm3/de/publikationen/forschungsberichte/711-fb67-vom-wert-der-biodiversitaet.html



Ökologische Gerechtigkeit und Humanökologie


Wien, Januar 2013
von Prof. Dr. Markus Vogt, LMU München
vorgetragen von Prof. Ingeborg Gabriel

Dies ist eine gekürzte Version des Vortrages. Hier finden sie das Original: Vogt_Gesamtversion


Ernüchterung nach dem Scheitern der Klimakonferenzen
Das 21. Jahrhundert begann hinsichtlich der Klimadebatte mit dem Debakel vom 19. Dezember 2009, dem Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels. Der Fokus der Klimaverhandlungen ist bereits damals unmerklich von der Abschwächung (mitigation) auf die Anpassung (adaptation) übergegangen. Als Ergänzungsstrategie ist diese angemessen und zunehmend unverzichtbar. Als nationalistisches Szenario nach dem Muster „Rette sich wer kann“ sowie als Kapitulation vor dem Anspruch der Klimagerechtigkeit wäre sie fatal.
Ich will im Folgenden einige mit den fehlenden Anstrengungen gegen den Klimawandel im Zusammenhang stehende Gerechtigkeitsprobleme aufzeigen. Zusätzlich will ich auf das Konzept der Humanökologie eingehen, das in den Enzykliken des Vatikans eine zentrale Rolle spielt. Es greift die gesamte Problematik anthropologisch tiefer auf und könnte helfen, einen spezifisch theologischen Blick auf die Fragen der Ökologischen Gerechtigkeit zu gewinnen.

Klimaschutz zwischen Armutsbekämpfung und wirtschaftlicher Entwicklung
Der Klimawandel ist das größte Kollektivgutproblem, das die Menschheit bisher betroffen hat. Gleichzeitig ist er durch Menschen verursacht (anthropogen) und damit ethisch nicht als Schicksal, sondern als Frage der Gerechtigkeit einzustufen.
Die Absenkung der Treibhausgase ist schon allein zum Schutz der Menschenrechte geboten, da das Recht auf physische Unversehrtheit von Anfang an zum Kernbestand der Menschenrechte gehörte. Gerechtigkeit und Frieden sind im 21. Jahrhundert nicht ohne Klimaschutz zu realisieren. Für die Mehrzahl der Entwicklungsländer ist globaler Klimaschutz jedoch nur akzeptabel, wenn zugleich ein Recht auf Entwicklung anerkannt wird.
Da die bisher bekannten und finanzierbaren Modelle wirtschaftlicher Entwicklung weitgehend vom Zugang zu fossiler Energie abhängig sind, kommt es somit zum Konflikt zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Theoretisch sind die technischen Möglichkeiten für die Verknüpfung von Armutsüberwindung und Klimaschutz relativ gut. Die nötigen Investitionen werden aber nur unter der Voraussetzung entsprechender Rahmenbedingungen, die eine gerechte, kooperative und vorausschauende Lastenteilung ermöglichen, zustande kommen.
Aufgrund der christlichen Option für die Armen ist für die Kirche das Spannungsverhältnis zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung von besonderer Bedeutung.


Die Gerechtigkeitskonflikte im Klimawandel und der gemeinschaftliche Ansatz zu deren Lösung
Die Besonderheit der ethischen Probleme, die sich mit dem Klimawandel stellen, liegt in dem großen Abstand zwischen Verursachern und Leidtragenden. Man kann dies als eine dreifache Externalisierung der Kosten unseres Wohlstandsmodells charakterisieren: Ein guter Teil der Lasten wird auf die Armen, die Zukunft und die Natur abgelagert. Jede der drei Externalisierungen stellt ein eigenes komplexes Problemfeld der Ethik dar, was unter den Stichworten intergenerationelle, globale und ökologische Gerechtigkeit diskutiert wird.
Ich möchte im Besonderen auf die „ökologische Gerechtigkeit“ eingehen. Ich verwende diesen Begriff im Sinne der Vergesellschaftung ökologischer Konflikte (Beck), also einer „ökologischen Sozialethik“ (Höhn), die die mit dem Klimawandel verbundenen sozialen und politischen Konflikte analysiert und zu lösen versucht. Es geht um das Problem der Verteilung von Gütern und Rechten zwischen Menschen.
Die entscheidende ethisch-politische Herausforderung besteht darin, die kurzsichtigen Perspektiven zu überwinden und die moralischen, politischen und wirtschaftlichen Ressourcen solidarischen Handelns über nachsorgende Katastrophenhilfen hinaus für vorsorgenden Klimaschutz und innovative Energietechnik zu aktivieren. Dies erfordert vor allem eine Stärkung globaler Steuerungsinstitutionen für die Durchsetzung von CO2-Gerechtigkeit. Die ethische Bewältigung des Klimawandels ist auf einen institutionellen Wandel in Richtung Global governance mit neuen strategischen Bündnissen zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft angewiesen.


Kulturwandel für ein ökologisches Wohlstandsmodell
Die enormen, notwendigen Einsparungen klimarelevanter Gase werden nur durch eine neue industrielle Revolution zu erreichen sein. Es geht um nichts weniger als die Erarbeitung eines neues Kulturmodells weg von Fortschrittsvorstellungen und dem Grundgedanken des „immer mehr“ hin zu einer Reduktion des Konsums und der Mobilität und weniger Arbeit und Konsumstress gehen. Die Bewältigung des Klimawandels ist somit eine Frage des gesellschaftlichen Wertewandels. Er braucht individuelle und kollektive Antworten auf genuin ethische Fragen nach den Zielen, Grenzen und Bedingungen von Wohlstand: Wie viel ist genug? Was sind die vorrangigen Werte des Fortschrittsstrebens? Wie sind die Lebenschancen von Menschen in unterschiedlichen Erdteilen gerecht zu verteilen? In der Suche nach Antworten auf diese Fragen, die auch für die Vereinbarkeit von Armutsbekämpfung und Klimaschutz eine wesentliche Bedeutung haben, können die Kirchen und Religionsgemeinschaften einen substantiellen Beitrag leisten.

Die ökologische Kompetenz und Aufgabe der Kirchen
Der konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit, und die Bewahrung der Schöpfung auf europäischer und die Erdcharta auf globaler Ebene waren Wegbereiter für das ethische Konzept der Nachhaltigkeit, das die UNO heute vertritt. Umso dramatischer ist der Befund, dass die Kirchen heute ihre Impulskraft in der Debatte um ökologische Gerechtigkeit weitgehend verloren haben.
Ich möchte mich auf zwei Vorschläge begrenzen, um diese Selbstblockade ein wenig zu überwinden: 1. Ein Neuinterpretation von Nachhaltigkeit und ihre Integration in die katholische Soziallehre als viertes Sozialprinzip; 2. Eine Neuinterpretation des Konzepts der Humanökologie, das in den Enzykliken seit 1991 als Leitkonzept verwendet wird und meines Erachtens weit reichende Potentiale besitzt.

Nachhaltigkeit als neues Sozialprinzip
Nachhaltigkeit bietet eine neue Definition der Voraussetzungen, Grenzen und Ziele von Fortschritt. Sie zielt auf eine Zukunftsvorsorge, deren motivierende Hoffnung nicht Fortschrittsoptimismus ist, sondern die Vision eines gelungenen Lebens in den Grenzen der Natur. Eine solche Hoffnung jenseits von Fortschrittsoptimismus findet sich strukturanalog im christlichen Glauben: Sie basiert nicht auf der Vorstellung, dass alles immer besser wird und eine vollkommene Gesellschaft machbar sei, sondern im Gegenteil auf einem existentiellen Bewusstsein der Grenzen menschlicher Existenz, das sich dann zum Heil und zur Hoffnung wenden kann, wenn der Mensch den Geschenkcharakter des Lebens und seine Angewiesenheit auf Gemeinschaft erkennt. Die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung ist heute Voraussetzung dafür, dass die technisch-wirtschaftliche Entwicklung so gesteuert werden kann, dass sie dem Wohl des Menschen und der Schöpfung dient.

Von der Humanökologie zur „ökologischen Humanität”
Für die ökologische Diskussion im Kontext der katholischen Soziallehre ist die Einführung des Begriffs der „Humanökologie“ von prägender Bedeutung. Auch bei Verhandlungen des Vatikans im Rahmen von Umwelt und Entwicklungskonferenzen spielt die Humanökologie eine zentrale Rolle.
Der Leitbegriff einer ökologischen Humanität könnte wieder vermehrt als „missing link“ zwischen personalem und ökologisch-systematischem Ansatz weiterhelfen, um die Sackgassen bisheriger Umweltethik zu überwinden und die Potentiale christlicher und humanitärer Zugänge zu entfalten.
Die spezifische Kompetenz des theologischen Zugangs zu Fragen des Naturverhältnisses liegt von alters her darin, dass diese in ihren kulturellen und sozialen Zusammenhängen thematisiert werden. Dies entspricht dem Ansatz der Humanökologie. Erst von diesem Konzept her ergibt sich eine konsistente Interpretation des Begriffs „ökologische Gerechtigkeit“.

 

Ökologische Gerechtigkeit als Kulturwandel für Humanökologie

Das Paradigma der Humanökologie bietet die entscheidende methodische Basis zur kulturgeschichtlichen Vertiefung der Debatte um ökologische Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Sie erweitert den funktionalistischen Naturbegriff, der in den politisch einschlägigen Programmen überwiegend voraussetzt wird. Darüber hinaus zielt ökologische Humanität auf eine differenzierte Wahrnehmung des Eigenwertes der Natur.

Ökologisch aufgeklärte Humanität zielt auf einen Kulturwandel und erweitert so das Ringen um ökologische Gerechtigkeit um eine ethisch-anthropologische, naturphilosophisch-schöpfungstheologische und pädagogisch-praktische Dimension.


Benediktinerabtei Plankstetten – gelebte Schöpfungsverantwortung in der Nachfolge des heiligen Benedikts

Gärtnerei
Ökologische Landwirtschaft
Klostereigene Brennerei (alle Fotos www.kloster-plankstetten.de)

Die bayrische Benediktinerabtei Plankstetten betreibt seit 1994 ökologischen Landbau, bindet alle klostereigenen Betriebe in die ökologische Kreislaufwirtschaft ein und wurde so zu einem Vorbild für einen aus dem Glauben heraus sorgsamen Umgang mit der Schöpfung.


In unserer Reihe ökologisch vorbildlicher kirchlicher Einrichtungen stellen wir mit dem Kloster Plankstetten in Bayern zum ersten Mal eine klösterliche Gemeinschaft vor. Vor allem benediktinische Klöster sind aufgrund ihrer starken Bindung an die Region und der Land- und Forstwirtschaft und ihrem langen Bestehen eng mit dem Nachhaltigkeitsgedanken verbunden. Der Konvent Plankstetten sticht dabei als besonders positives Beispiel hervor.


Von der drohenden Aufgabe des Landwirtschaftsbetriebs zum ökologischen Vorzeigeprojekt
Dass sich das Kloster Plankstetten zum ökologischen Vorzeigebetrieb entwickeln sollte, ahnte Ende der 1980er Jahre niemand. Die Landwirtschaft sollte sogar komplett aufgegeben und die Flächen verpachtet werden. Glücklicherweise entschied sich der Konvent aber zur Wiederaufnahme der Bewirtschaftung, pachtete sogar zusätzliche Flächen an und stellte 1994 auf ökologischen Landbau um. Aktuell werden 150 ha Ackerland, 80 ha Grünland und 60 ha Wald bewirtschaftet. Rund 60 Mutterkühe und 400 Mastschweine werden gehalten. Die Produkte der Landwirtschaft werden fast zur Gänze von den vielen Betrieben der Abtei verarbeitet und vermarktet.


Autarkie und Kreislaufwirtschaft – Zusammenspiel der klostereigenen Betriebe

Der Viehbestand wird in der eigenen Metzgerei geschlachtet und verarbeitet, das Getreide wird in  der Bäckerei und im angeschlossenen Riedenburger Brauhaus verwendet. Die Klosterküche ist ein weiterer Abnehmer der Landwirtschaft und wird darüber hinaus von der hauseigenen Gärtnerei versorgt. Durch das Gästehaus mit jährlich rund 13.000 Übernachtungen hat die Küche genug zu tun.
Alffällige Überschüsse aus der Landwirtschaft werden schlussendlich im Klosterhofladen verkauft, bei dem auch übers Internet bestellt werden kann und der darüber hinaus die feinen Edelbrände aus der Klosterbrennerei vermarktet. Das Holz aus dem Klosterwald wird in einer eigenen Schreinerei verarbeitet, als Bauholz im Kloster selbst verwendet oder in der Hackschnitzelheizung verheizt.
Durch das Zusammenspiel der vielen Betriebe wird eine geschlossene Kreislaufwirtschaft ermöglicht. Photovoltaikanlagen, der Betrieb der Fahrzeuge mit Pflanzenöl und eine Biomasseheizanlage ermöglichen auch im Energiebereich eine nahezu autarke Betriebsweise.


Öffentlichkeitsarbeit und erfolgreiche Vermarktung
Das Benediktinerkloster als „Leuchtturmprojekt der katholischen Kirche“, (National Geographic Deutschland, August 2012) beschäftigt sich aber auch intensiv mit der Vermittlung von ökologischem Wissen und Schöpfungsspiritualität. So hat die Bibliothek mittlerweile einen Sammelschwerpunkt „Ökologie & Religion“ und im Gästehaus St.Gregor gibt es seit 2007 ein Kursangebot über Schöpfung und Ökologie. Den zahlreichen Besuchern des Klosters, von Jugendgruppen bis zum Ministerpräsident Seehofer will man die Wertschätzung für die Schöpfung näher bringen. Das aus dem christlichen Glauben erwachsende Verantwortungsgefühl für die Schöpfung Gottes wird hier bereits gelebt.


Verankerung in der Schöpfungsehrfurcht und der benediktinischen Regel
Für die Plankstettner Ordensgemeinschaft ist denn auch die Verankerung im Glauben und in der benediktinischen Regel Ausgangspunkt aller ökologischen Anstrengungen. Schöpfungsspiritualität und die Dankbarkeit für die Gaben Gottes stehen im Mittelpunkt, ökologisches Handeln ist die logische Konsequenz. Das benediktinische ora et labora – Bete und Arbeite verbindet sich im täglichen Leben der Klostergemeinschaft.

Quellen:
www.kloster-plankstetten.de
National Geographic – Deutsche Version August 2012
Süddeutsche Zeitung 17.Mai 2010
Kloster im Wandel – Eigendarstellung des Klosters Plankstetten


Für eine weitergehende Beschäftigung mit Nachhaltigkeit im Kontext von Klöstern sei auf das österreichische Forschungsprogramm Umgang mit der Schöpfung - „UmiS“ verwiesen. Das Programm verbindet Theologie und Naturwissenschaften und erforscht Ordensgemeinschaften auf ihren Vorbildcharakter bezüglich Nachhaltiges Wirtschaften: http://www.boku.ac.at/umis/


 

 

 

Veranstaltungshinweise und Kurznachrichten

 

Veranstaltung der ARGE Schöpfungsverantwortung zur EU-Umweltpolitik

EU-Umweltpolitik: Konzerninteressen gegen Bürgerbeteiligung?

Die in den letzten Monaten bestimmenden umweltpolitischen Themen gingen fast ausschließlich von der EU-Verwaltung aus. Die Zulassung von Gentechnik-Mais, die Saagutverordnung und natürlich das unselige TTIP - als politisch und ökologisch denkender Mensch beginnt man der EU zu zweifeln. Im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung und mit Vetretern von Universität und Umwelt-NGOs werden wir auf die Entscheidungsfindung in der EU und die Möglichkeiten der demokratischen Mitbestimmung eingehen.


Wir freuen uns auf ihre Teilnahme:

26.März 2014, 19:00

Kardinal König Haus, Kardinal-König-Platz 3, 1130 Wien


 

 

BürgerInneninitiative gegen das TTIP unterschreiben

Am 10.März 2014 wird im Parlament eine Bürgerinitiative eingebracht, um einen demokratischen und transparenten Verhandlungsprozess einzuforden.

Bitte drucken sie die Unterschriftenliste aus und motivieren sie Arbeitskollegen, Freunde, Familie, Interessierte und alle anderen für die Aktion. Es müssen alle Felder vollständig ausgefüllt werden. Insgesamt werden 500 Unterschriften benötigt. In einer zweiten Phase nach Übergabe der ersten 500 schriftlich geleisteten Unterschriften wird die Aktion online fortgesetzt. Auf der Parlamentshomepage wird es dann möglich sein, online zu unterschreiben.

Die Listen müssen bis spätestens 7.März 2014 an Attac gesendet werden (ATTAC Österreich, Margaretenstraße 166/3/25, A-1050 Wien)

 

ANLIEGEN DER BÜRGERINITIATIVE:

Der Nationalrat möge die Bundesregierung auffordern, im Europäischen Rat für die Offenlegung der Verhandlungsdokumente zum Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen TTIP und einen demokratischen Verhandlungsprozess einzutreten.

Hier finden sie die entsprechenden Dokumente:

UNTERSCHRIFTENLISTE MIT ANLIEGEN UND BEGRÜNDUNG

UNTERSCHRIFTENLISTE ALLEIN

UNTERSCHRIFTENLISTE MIT AUSFÜHRLICHEM BEGLEITTEXT 


 

 

Umstritten: World Food Prize an Monsanto

Der international bedeutende, von der New York Times als Oscar der Lebensmittelbranche bezeichnete World Food Prize, ging 2013 an den Gentechnikkonzern Monsanto. Es ist das erste Mal, dass der Preis an Vertreter der Gentechnikbranche geht. Die Entscheidung wurde von früheren Preisträgern hart kritisiert. Pikantes Detail: Die beiden Agrarmultis Syngenta und Monsanto zählten in den letzten Jahren zu den Hauptspendern des Preises, allein im Jahr 2008 spendete Monsanto der New York Times zufolge 5 Millionen Dollar.

Mehr über die Hintergründe können sie hier nachlesen:

http://www.slowfood.de/aktuelles/aktuelles_2013_artikelseiten/welternaehrungspreis/

http://www.worldfoodprize.org/en/laureates/2013_laureates/


EU-Bericht: Meere und Ozeane in schlechtem Zustand

Die Europäische Umweltagentur (EUA) hat am 20. Februar 2014 einen Bericht („Marine Messages) über den Zustand der Meere und Ozeane veröffentlicht. Diese befinden sich in keinem guten Zustand, so das Resümee des Berichts.

Laut EUA-Bericht sind rund 88% der Fischbestände im Mittelmeer und im Schwarzen Meer bedroht. Die fehlende Koordination der Maßnahmen zum Schutz der Meere wird in dem Bericht kritisiert.

Auch eine Analyse der Kommission über den Zustand der Meere, die anlässlich der Konferenz „Gesunde Meere – produktive Ökosysteme“ (HOPE: Healthy Oceans – Productive Ecosystems) in Brüssel am 3./4. März vorgestellt werden soll, zeigt, dass dringend weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, wenn bis 2020 ein guter Zustand der Meeresumwelt erreicht werden soll.

Quelle: http://www.eu-umweltbuero.at/cgi-bin/neu/cont.pl?contentart=eunews&id=4400

 

 

Hier finden Sie den Bericht auf Englisch:

http://www.eea.europa.eu/media/newsreleases/marine-messages-briefing


Megan Rice (http://rt.com/usa/nun-nuclear-security-breach-961/)

84 jährige Nonne wegen Atomlager-Einbruch verurteilt

Am 28 Juli 2012 brach die mittlerweile 84 jährige Nonne Megan Rice gemeinsam mit zwei Begleitern in den Y-12 Atomwaffen-Komplex in Tennessee, USA ein. Die drei Aktivistinnen schnitten sich durch Zäune und besprühten das Innere der schwer gesicherten Anlage, die einen Großteil des amerikanischen waffenfähigen Urans beinhalten, mit Friedensbotschaften. Anschließend ließen sie sich widerstandslos festnehmen.

Am 18. Februar wurde Megan Rice wegen "versuchter Verletzung der nationalen Sicherheit" trotz tausender Mildegesuche zu 35 Monaten Gefängnis verurteilt. Die seit den 1980 in der Antikriegsbewegung aktive Nonne strahlte bei der Verhandlung aber vor allem Zufriedenheit über die gelungene Aktion aus. Angst vor dem Gefängnis hat die bereits 40-mal verhaftete Schwester nicht, "dort gibt es wunderbare Menschen".

rt.com/usa/nun-convicted-breach-nuclear-complex-033/

derstandard.at/1392685673414/Die-Nonne-die-in-eine-Atomanlage-einbrach


 

 

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  Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung | Peterskirche - Petersplatz 1, 1010 Wien
E-mail: office(at)argeschoepfung.at  | Tel: +43 660-76 000 08 | letzte Änderung: 23-11-2018