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Dienstag, 25. Apr 2017

„Am Himmel flogen keine Vögel mehr“, Ukrainische Ärztin und Zeitzeugin erinnert sich an die Reaktorkatastrophe

 

„Auf dem Himmel flogen keine Vögel mehr“

Ukrainische Ärztin und Zeitzeugin erinnert sich an die Reaktorkatastrophe


Unter dem Titel „30 (+1) Jahre Tschernobyl – nein, es ist noch nicht vorbei“ wurde am 24. April eine Bilderausstellung in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Wien eröffnet. Die von der ARGE Schöpfungsverantwortung und der ukrainisch-katholischen Kirche organisierte Wanderausstellung zeigt vom 24. bis 28. April beeindruckende Bilder junger Menschen aus der Ukraine, die darin ihre Sorgen und Ängste, Hoffnung und Sehnsucht zum Ausdruck bringen. Die Ausstellung steht unter dem e.a. Patronat des Ukrainischen Botschafters Dr. Olexander Scherba.

Neben Prof. Dr. Scheremeta, dem Direktor des Nationalbüros für Umweltfragen der Griechisch-Katholischen Kirche, und mehreren Umweltexperten sprach im Rahmen der Ausstellungseröffnung auch Natalia Tereshchenko, eine Ärztin aus Charkiv, zu den Gästen. Dabei berichtete sie über ihre persönlichen Erfahrungen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

„Wir konnten die Strahlung weder sehen, noch schmecken oder fühlen, doch wir haben ihre Wirkung gesehen“, erinnert sich Tereshchenko, damals 35 Jahre alt und Mutter von zwei kleinen Kindern, an die ersten Tage nach dem Supergau. „Auf dem Himmel flogen keine Vögel mehr, sie sangen auch nicht, es gab nur Stille.“

Tereshchenko wurde mit einer Brigade nach Tschernobyl geschickt, ohne zunächst ihre genauen Aufgaben zu kennen. Dabei musste sie für mehr als ein Monat ihre beiden kleinen Kinder bei ihrem Mann zurücklassen. 33 Tage lang musste sie in Tschernobyl mit den Liquidatoren, den Helfern zur Eindämmung der radioaktiven Strahlung, arbeiten.

Monate lang sei radioaktives Material aus dem havarierten Reaktor ausgetreten, ehe endlich ein Sarkophag errichtet wurde. Umso drängender wurde in Tereshchenko die Frage, welche Wirkung die radioaktive Strahlung auf junge Menschen sowie auf Erwachsene habe.

„In der Ukraine ist die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl immer noch ein Tabu-Thema“, beklagt Tereshchenko. „Nur am 26. April, dem Jahrestag, wird sie ein wenig thematisiert. Dabei ist es doch die schlimmste Katastrophe, die jemals unser Land getroffen hat.“

 

"Da gucken wir und sehen, da kommt eine Henne, so eine Glucke, die hat Küken ausgebrütet. Und da laufen wir, einige haben eine Atemschutzmaske, einige haben keine. Da laufen wir, und das Gras ist grün, und der Himmel ist so blau, die Sonne scheint. Und da sage ich: „Gütiger Himmel, das Leben geht weiter!“ Hier ist die Glucke, hier sind diese gelben Knäulchen (Küken). Na also, ich spürte so eine Begeisterung, weil ich dieses Leben gesehen habe. Und da laufen wir am nächsten Tag, die Glucke läuft, und der ganze Weg ist mit gelben Leichen bedeckt…"

Dr. Natalja Iwanowna Tereshschenko (siehe Bild rechts oben), Ärztin und Zeitzeugin, 33 Tage im Einsatz nach dem Reaktorunglück


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