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Montag, 04. Apr 2016

Papst Franziskus zur Tierethik - Prof. Kurt Remele

 

Ein Experiment der anderen Art

Warum wir eine neue christliche Tierethik brauchen und was wir dabei von Außerirdischen, von Papst Franziskus und von einem britischen Philosophieprofessor lernen können.

VON KURT REMELE

Bei chemischen Experimenten zischt, blubbert oder knallt es. Bei physikalischen Experimenten fallen Dinge nach unten, stoßen aufeinander oder rotieren. Bei Experimenten mit Tieren ist häufig ein Wimmern und Schreien zu  ernehmen, vor allem dann, wenn Knochen gebrochen, Wasser und Futter entzogen, Vergiftungen verursacht und Löcher in Schädeldecken gebohrt werden. Es gibt aber auch Experimente anderer Art, bei denen es leiser zugeht: Gedankenexperimente nämlich. Solche gibt es u. a. in der Ethik, jener wissenschaftlichen Disziplin, die sich der Frage widmet, was Menschen tun und was sie besser lassen sollten. Ethische Gedankenexperimente können helfen, unser gewohntes Verhalten aus einem neuen Blickwinkel anzuschauen und zu beurteilen. Nehmen wir an, Außerirdische würden auf dieser Erde landen, und zwar Außerirdische, die uns Menschen geistig weit überlegen sind. So könnten sie etwa untereinander telepathisch kommunizieren und zukünftige Ereignisse vorhersehen. Diese  liens sind davon überzeugt, dass ihre höhere Intelligenz und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten sie dazu berechtigten, uns Menschen in Gefangenenlager zu sperren, zu mästen, zu schlachten und zu verspeisen. Sie  behaupten, dass sie menschliches Fleisch essen müssten, um überleben zu können. Das stimmt zwar nicht, weil es andere, gesündere und ökologisch verträglichere Möglichkeiten einer pflanzlichen Ernährung gäbe, doch Menschenfleisch schmeckt den Außerirdischen eben besonders gut. Zudem haben die Aliens damit begonnen, uns Menschen in wissenschaftlichen und medizinischen Versuchen zu quälen und zu töten, weil es für sie der angeblich einfachste Weg sei, Heilmittel für ihre eigenen Krankheiten zu testen. Unter qualvollen Bedingungen gezüchtete Menschen müssen in blutigen Schaukämpfen gegen übermächtige Aliens kämpfen, die ihnen spitze Pfeile mit Widerhaken in die Schultern bohren und sie zum Schluss erstechen. Andere Menschen werden von Außerirdischen, die die Menschenjagd zu ihrem Hobby gemacht haben, auf der Flucht erschossen. 

Lizenz zum Töten

Die Art und Weise, wie die gerade auf der Erde gelandeten Außerirdischen schmerzsensible Menschen behandeln, führt uns vor Augen, wie wir uns als Menschen, die schon lange auf dieser Erde leben, gegenüber empfindungsfähigen
Tieren verhalten: Wir gebrauchen und instrumentalisieren, quälen und töten sie, und dies am laufenden Band.
Gehen wir noch einen Schritt weiter zur Religion der Aliens. Würden wir den außerirdischen Herrschern Glauben schenken, wenn sie uns weismachen wollten, von ihrem Gott auserkoren zu sein, Menschen nach ihrem Gutdünken zu beherrschen, zu töten und zu verspeisen? Wohl kaum. Dennoch haben die Christen die Bibel gerade dazu verwendet: als göttliche Lizenz zum Töten von Tieren. Noch heute verankert jedes Tischgebet, jede Speisensegnung, jede Fleischweihe die angebliche göttliche Tötungslizenz fester im kollektiven Unterbewusstsein der Christenheit und überhöht sie theologisch.  Das christliche Osterlamm, das mit den Vorderbeinen die Auferstehungsfahne umklammert, ist bis heute das traditionelle Symbol und das offizielle Siegel der Fleischhauer.

Der Wert des Tieres

Es ist also höchste Zeit für eine neue christliche Tierethik. Papst Franziskus hat ihre Grundsätze in seiner Enzyklika „Laudato Si“ klar dargelegt: Jedes Tier besitzt einen Eigenwert. Menschen dürfen nicht willkürlich über Tiere verfügen. Alle Geschöpfe Gottes sind miteinander verbunden. Grausamkeit gegenüber Tieren und gegenüber Menschen hängen eng zusammen. Auch Tiere werden Anteil an der Auferstehung Christi haben.

Gedankenlose Völlerei

Die großartigen päpstlichen Worte über Tiere werden allerdings bloß fromme Rhetorik bleiben,solange in christlichen Pfarren und Familien auf eine Sonntagspredigt, die Gottes gute Schöpfung preist, ein Sonntagsbraten vom Rind oder Schwein folgt; noch dazu von Tieren, die ihr qualvolles Leben in Tierfabriken verbracht haben. Der  britische Philosoph und anglikanische Christ Stephen Clark bezeichnet das Essen von Tieren in jenen Ländern, in denen man sich gesund und problemlos vegetarisch oder vegan ernähren kann, als „gedankenlose Völlerei“. Das mag hart klingen, aber für Clark ist eine fleischlose Ernährungsweise „heute ein ebenso verpflichtendes Zeichen der Bereitschaft, moralisch zu handeln, wie es die Bereitschaft der frühen Christen war, sich dem römischen Kaiserkult zu verweigern“.

Quelle: Kleine Zeitung, 3. April 2016

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