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Samstag, 03. Okt 2015

Impulse aus der Schöpfungszeit: Wieviel Boden braucht der Mensch?

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!


„Wie viel Boden braucht der Mensch?“
(frei nach Tolstoi)

Was uns S. Francesco heute zu sagen hat

In wenigen Tagen ist die – liturgische – Schöpfungszeit zu Ende. Damit endet zwar die Serie der spezifischen Schöpfungsgottesdienste und reduzieren sich auch unsere Newsletter, natürlich endet aber nicht unsere Verantwortung in einem immer größer werdenden Aufgabenbereich.

Dementsprechend informieren wir Sie in diesem Newsletter über die zunehmende Gefahr des unkontrollierten Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung auch für uns Menschen.

Eine Auswahl weiterer liturgischer Elemente soll Ihre Überlegungen befördern, inwieweit Sie am 4. Oktober trotz des Sonntags das Fest des Heiligen Franziskus begehen wollen.

Schließlich eröffnet ein Filmtipp einen weiteren Horizont auf die uns im Rahmen der globalen Zusammenhänge unmittelbar betreffende Lebenswelt.

Mit den besten Wünschen für ein segensreiches Wirken für das uns allen Anvertraute

Ihre ARGE Schöpfungsverantwortung

„Wer kann die Tatsache leugnen, dass die Menschheit letzten Endes Geschöpfe des Erdbodens sind?“

(Herbert Girardet, deutscher Publizist und Umweltaktivist)


Inhalt:

  • Auszug aus dem Dossier Schöpfungszeit
  • Die Funktionen des Bodens
  • Antibiotikaresistenzen bei Bodenbakterien
  • Filmtipp „Landraub“
  • Liturgische Elemente, Literaturempfehlungen

Auszug aus dem Artikel „Die lange Geschichte der Landwirtschaft – kurz erzählt“ von DI Dr. Josef Hoppichler

Der Boden – Grundlage des höheren Lebens

Wasser und Boden  sind die zentralen Elemente für das Leben auf der Erde. Von der „Ursuppe“ mit den ersten Mikroorganismen vor ca. 3,8 Mrd. Jahren über die ersten höheren Zellen vor ca. 2 Mrd. Jahren bis hin zu den heutigen komplexen Ökosystemen mit Pflanzen, Tieren und Menschen war es ein weiter Weg. Doch ist es gerade der Boden und sein biologisch-chemisches Gefüge, das die Pflanzenwelt, als Grundlage weiteren Lebens, hervorgebracht hat. Kreisläufe von ineinander greifenden Auf- und Abbauprozessen in der Bodenkrume bestimmen die Weiterentwicklung des Lebens und seine weitere Ausdifferenzierung in den Ökosystemen.

In einer Handvoll Erde gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf dem ganzen Planeten. In den obersten 30 Zentimetern eines Quadratmeters fruchtbaren Bodens finden sich gegen 100 Billionen Bakterien, 1 Milliarde Pilze, 500 Mio. tierische Einzeller, 10 Mio. Fadenwürmer und ca. 100 bis 200 Regenwürmer. Dazu kommen eine Vielzahl von Kleinlebewesen wie Ameisen, Milben, Springschwänze, Asseln, Insektenlarven und Schnecken. Die dabei geleisteten Umarbeitungen an organischem Material sind in ihrer Quantität und Qualität beachtlich. Allein auf einem Hektar Ackerboden scheiden ca. 1 Mio. Regenwürmer im Jahr 115 t Kot aus, eine Menge, die beispielsweise den Zuwachs an oberirdischer Pflanzenmasse um mehr als das 10-Fache übersteigen kann. Der Boden lebt und auf dem Boden leben wir …

Funktionen des Bodens

Der Boden erfüllt vielfältigste Aufgaben und Funktionen, er ist unverzichtbar für das Leben auf der Erde. Boden ist:

  • Standort und Substrat für Pflanzenwachstum, er ist die Lebensgrundlage für unsere Ernährung
  • Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen, diese fungieren vernetzt in einer enormen Biodiversität als Schlüsselstellen in Stoffkreisläufen
  • Ein wichtiger Filter, Transformator und Puffer: Durch den Boden werden unter anderem Schadstoffe herausgefiltert, er fungiert als wichtiges Auf-, Ab- und Umverteilungsmedium. Unser Trink und Grundwasser wird durch den Boden gefiltert und gereinigt.
  • Speicher: Der Boden speichert CO2 und Wasser; Nährstoffe und Wasser werden kontinuierlich an die Pflanzen abgegeben. Klimaschädliche Gase wie CO2 werden gebunden. 
  • Archivator: Der Boden stellt ein wichtiges Natur- und Kulturarchiv dar, unsere eigene Geschichte lässt sich an Untersuchungen der Bodenschichten ableiten
  • Träger: Er ist Fläche für unseren Wohnraum, industrielle Anlagen, aber auch Erholungsgebiete sowie Lagerstätten. Jeden Tag verschwindet in Österreich eine Fläche gleich der des Vatikans an Boden durch Versiegelung, Erosion u. a. Prozesse. 

 

Mag. Christian Kantner MSc

Der schädliche Kreis schließt sich: Antibiotikaresistenzen bei Bodenbakterien

Die moderne Tierhaltung zur Abdeckung des immensen Fleischbedarfes unserer Gesellschaften zieht desaströse Folgen nach sich. Durch die hohen Besatzdichte in immer größeren Ställen sowie die bewusste Zucht zu weniger aktiven Immunabwehrsystemen bei gleichzeitigem enormen Wachstum kommt die Tierhaltung nicht mehr ohne den massenhaften Einsatz von Antibiotika aus. Diese gelangen über den Wirtschaftsdünger in den Boden, wo mittlerweile sogar Bodenbakterien Resistenzen ausgebildet haben. Eine Untersuchung von Kevin Forsberg von der Washington University School of Medicine in St. Louis und seinen Kollegen (veröffentlicht in Science“ Bd. 337, S. 1107) bringt jetzt ans Licht, wie sehr unsere landwirtschaftlichen Praktiken bereits dem Boden und seinen Bewohnern schaden.

Die Forscher fanden bei den untersuchten Bodenbakterien  einzelne Gensequenzen, die sie resistent gegen die handelsüblichen Antibiotika machen. Dafür verantwortlich sind die Gülle und der Kot aus großen landwirtschaftlichen Anlagen, die einerseits mit Antibiotika, andererseits mit bereits dagegen resistenten Keimen beladen sind. Aufgrund der hohen Antibiotikabelastung der Böden „wehren“ sich Bodenbakterien mit von anderen Erregern übernommenen Genbausteinen. Der Zusammenhang zwischen dem Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft und der Anreicherung im Boden ist dabei unbestritten. Bis zu 96 % der verabreichten Medikamente werden von den Zuchttieren leicht oder gar nicht verändert wieder in Form der Exkremente abgegeben (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0038071708001235 ).

Über den Boden gelangen die Wirkstoffe auch in die angebauten Pflanzen und landen damit als Nahrung auf unseren Tellern. Selbst vegetarisch lebende Menschen können sich diesem Kreislauf nicht entziehen. Auch in Österreich wurde eine erhöhte Belastung mit Antibiotika-Rückständen im Grundwasser nachgewiesen (http://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0258.pdf ).

Schon jetzt sind vor allem in Krankenhäusern resistente Keime, die nicht mehr mit den üblichen Antibiotika behandelt werden können, eine der größten Bedrohungen für unser Gesundheitssystem. Die zunehmende Hintergrundbelastung mit Antibiotika vor allem auch in der Nahrung schafft ideale Bedingungen für die Entwicklung von Resistenzen. Die vorherrschende Agrarpraxis erhöht nun zusätzlich die Gefahr, dass sich auch aus den eigentlich harmlosen Bodenbakterien für den Menschen schädliche Krankheitserreger entwickeln.

Um dieser äußerst schädlichen Entwicklung entgegenzuwirken, muss sich die vorherrschende Agrarpraxis ändern. Antibiotika dürfen nur in äußerst begrenzten Mengen und bei wirklicher Notwendigkeit verabreicht werden, die biologische Landwirtschaft mit robusten Tierrassen muss gestärkt werden.
Eine ökologische Landwirtschaft mit fairen Preisen für die Erzeuger würde viele Vorteile auf einmal bringen: eine Verringerung des gesundheitlich bedenklich hohen Fleischkonsums, eine Entlastung der Böden und des Grundwassers und nicht zuletzt die Verringerung des Tierleids. Der Einkauf von biologischen und möglichst auch regional produzierten Lebensmitteln unterstützt den notwendigen Wandel.

Aktuell wird im EU-Parlament auch ein Tierarzneimittel-Verordnungspaket verhandelt, das den Antibiotikaverbrauch drastisch einschränken soll. Greenpeace hat dazu eine Aktion gestartet, um die handelnden Politiker zu einer strengen Regelung aufzurufen. Geben auch Sie Ihre Stimme für eine wirksame Eindämmung der Antiobiotika-Schwemme: http://www.resistenz.at/umweltschutz.html .

DI Karl-Heinz Schaurhofer

Filmtipp „Landraub“

Jedes Jahr gehen 12 Millionen Hektar Ackerfläche durch Versiegelungen und andere Prozesse für immer verloren. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 hat die globale Finanzwirtschaft die Ackerflächen als neue Einnahmequelle für sich entdeckt. Durch diesen Raubzug werden die Existenzen von Millionen Kleinbauern durch die Reichen dieser Welt zerstört, um ihren Profit zu maximieren.

Der neue Film von Kurt Langbein zeigt in bildgewaltigen Aufnahmen die Geschichten von Investoren und deren Argumente, die Folgen für die Opfer und die ökologischen Auswirkungen. Er zeigt aber auch in aller Deutlichkeit, dass diese Machenschaften mit unserem eigenen Lebensstil eng verknüpft sind. Er regt an zum Nachdenken, wühlt innerlich auf und soll uns zum Handeln bewegen.

Ein Film als Widerstand gegen das „Landgrabbing“.

„In einer Handvoll Erde steckt mehr Leben als Menschen auf der Erde“. Zerstören wir das, berauben wir uns unserer Existenzgrundlage.

Quelle: http://www.landraub.com/Der-Film/

LITURGISCHE ELEMENTE für die Feier zum Gedenktag S. Francesco d´Assisi


LITERATUREMPFEHLUNG

  • FRANZISKUS – Rebell und Heiliger, von Niklaus Kuster (Herder Vlg. 2010) ISBN 978-3-30153-7
  • DER LETZTE CHRIST – Franz von Assisi, von Adolf Holl (Kreuz Vlg. 2000) ISBN 3 7831 1846 8
  • FRANCESCO – Der Mann des Jahrtausends, von Markus Hofer (Tyrolia Vlg. 2000) ISBN 3-7022-2295-2
  • FRANZISKUS – der solidarische Bruder (Herder Vlg. 1989) ISBN-10: 3451211904

 

 

Das Redaktionsteam: Mag. Roland Zisser, Angelika Fabrizy-Söllner, Mag. Christian Kantner MSc, DI Karl-Heinz Schaurhofer, Ltg.: Isolde Schönstein


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