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Mittwoch, 18. Jun 2014

WÜRDIGUNG Prof. Dr. Lukas Vischers

 

Lukas Vischer (zur Verfügung gestellt von Barbara Vischer)

„Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Joh 14, 19)

Lukas Vischer


Pionier der ökumenischen kirchlichen Umweltarbeit, Initiator der "Schöpfungszeit" und Freund und Mentor der ARGE Schöpfungsverantwortung 

Der Schweizer evangelisch-reformierte Theologe und Ökumeniker Lukas Vischer suchte nach Wegen, die Botschaft des christlichen Glaubens im öffentlichen Leben und in der geschichtlichen Realität der Jetztzeit sichtbar zu machen. Das Bemühen um die Einheit der Kirche ging für ihn parallel mit dem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Zwischen ihm und der ARGE Schöpfungsverantwortung entwickelte sich eine rege und fruchtbringende Zusammenarbeit.

 

Biografisches:

Lukas Vischer, geboren am 23.11.1926, erlebte seine Kindheit und Jugendzeit vorwiegend  in Basel. Nach dem Studium der Theologie erwarb er den Doktortitel mit seiner Dissertation „Basilius der Grosse, ein Kirchenvater des vierten Jahrhunderts".

1953 übernahm er die Pfarrstelle von Herblingen, einem Vorort von Schaffhausen. Er verheiratete sich mit Barbara Schmidt; ihrer Ehe wurden vier Kinder geschenkt.

1961 akzeptierte er einen Ruf zum Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. 1963-1967 vertrat er den ÖRK als Beobachter am 2. Vatikanischen Konzil.  Ab 1966 wirkte er als  Direktor der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung.

Von 1980 bis 1992 war er Inhaber des außerordentlichen Lehrstuhls für Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern und Leiter der Arbeitsstelle Ökumene Schweiz in Bern.

Die Zeit seiner Pensionierung verbrachte er in Genf und im Bergdorf Soglio, Graubünden. Er starb am 11. März 2008.

Die Universitäten von Fribourg, Debrecen, Budapest und Genf haben Lukas Vischer mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet.

 

Ökumenische und Umweltarbeit:

Neben der Arbeit an der Einheit der Christen war Lukas Vischer stets in aktuellen gesellschaftlichen Problemen engagiert.

In Schaffhausen setzte er sich u. a. für die Schaffung von Halbzeitstellen für Frauen in der Industrie ein.

In der Sorge um eine gerechte Entwicklung der Länder der Dritten Welt war er 1976 maßgeblich beteiligt an der Gründung der „Erklärung von Bern", einer wichtigen entwicklungspolitischen Arbeitsgruppe in der Schweiz.

Unter seiner Leitung verfasste die Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des ÖRK 1978 den Bericht „Rechenschaft über die Hoffnung, die in uns lebt". In diesem Text findet der Zusammenhang zwischen der Inspiration der Einheit und dem Einsatz für eine gerechte friedliche Welt eine klare Formulierung.

Ab Ende der 1970er Jahre setzte er sich visionär und leidenschaftlich mit der Umweltthematik und der ökologischen Krise auseinander. Im Rahmen der Schweizerischen Evangelischen Synode (1982-1987) arbeitete er an den Texten zur Schöpfungs­verantwortung mit . Aus der ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung 1989 in Basel wuchs mit seiner Hilfe die Idee des „Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung", in welchem die Schöpfungsverantwortung als unverzichtbarer Teil des Einsatzes für Friede und Gerechtigkeit beschrieben wird. Lukas Vischer war maßgeblich beteiligt an der Gründung der oeku - Kirche und Umwelt  in der Schweiz, 1986, und an der Errichtung des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerkes ECEN, 1998. Die einzelnen Coalitions (Arbeitsgruppen) des ECEN geben Auskunft über die umsichtige Organisation des Netzwerkes und tragen damit seine Handschrift.

 

Im Rahmen des ÖRK wirkte er mit beim Entstehen der Arbeitsgruppe Klimawandel, welche seit 1990 die Entstehung und Entwicklung der UNO-Rahmenkonvention Klimawandel (UNFCCC) begleitet; die gemeinsam erarbeiteten Dokumente wurden oft von ihm in ihre offizielle Form gebracht.

Im Namen von ECEN rief er drei theologische Konferenzen im John Knox-Zentrum in Genf zusammen:

2004 Listening to Creation Groaning (Horchen auf das Seufzen der Schöpfung).

2006 Spirituality, Creation and the Ecology of the Eucharist (Die Bedeutung der Schöpfung im geistlichen Leben und in der Eucharistie).

2006 Witnessing in the Midst of a Suffering Creation (Christliche Mission in der gefährdeten Schöpfung).

Österreichische Teilnehmer an einer der Konsultationen waren P. Ziselsberger, die Professoren Rosenberger, Virt, Gabriel, Harnoncourt und Frau Isolde Schönstein.

Die Texte der Konsultationen sind  je in einem Bericht der John Knox Series (Nr. 16, 18, 19) zusammengefasst.

 

Tief überzeugt war Lukas Vischer von der Notwendigkeit, mit Hinblick auf die Erderwärmung unsere motorisierte Mobilität in Frage zu stellen. 2002 fasste er die Ergebnisse einer Tagung in Bad Boll zusammen in dem Text „Perspektiven einer zukunftsfähigen Mobilität weltweit". 2008, kurz vor seinem Tod, erlangte er die Zustimmung des Reformierten Weltbundes zu seiner Empfehlung, bei Flugreisen, die nicht vermieden werden können, die entstehenden CO2-Emissionen durch Kompensationsprojekte zu neutralisieren.

 

Besonders eng war die Zusammenarbeit zwischen Lukas Vischer und Isolde Schönstein beim Thema Schöpfungszeit. Tatsächlich fehlt im liturgischen Kirchenjahr der westlichen Kirchen das Gedenken an Gott den Vater und Schöpfer. Angestoßen durch einen Aufruf des orthodoxen Patriarchen Dimitrios (1989) entwickelte sich die Idee, jährlich in der Periode zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober die Schöpfung und unsere Verantwortung ihr gegenüber liturgisch zu thematisieren. Lukas Vischer schrieb die theologische Begründung dazu, Isolde Schönstein, bzw die ARGE Schöpfungsverantwortung, arbeiten an der weltweiten Umsetzung. Eine Initative von P. Ziselsberger führte zur ersten Bestätigung der Schöpfungszeit durch eine Bischofskonferenz (Philippinen, 2003). Die 3. Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu 2007 sandte eine Empfehlung an all ihre Mitgliedkirchen, sie möchten die Feier der Schöpfungszeit in ihre Liturgie einfügen. Für Lukas Vischer, schon schwer krank, war dieser Beschluss eine große Freude.

           

Lassen wir ihn selber zu Wort kommen:

 

Aus Lukas Vischers Predigt zu Mt 5,5; Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen!

Die Übermacht der Unvernunft führt leicht zu einem Gefühl der Verlorenheit. Was soll mein Zeugnis in dieser von so andern Werten bestimmten Welt! Bitterkeit nistet sich in unsern Herzen ein. Es hat ja doch alles keinen Sinn. Ich kann diese Folgerung verstehen. Und ich denke, dass es wichtig ist, Gefühle dieser Art nicht einfach zu unterdrücken. Und doch kann das nicht das letzte Wort sein. Denn unser Ausgangspunkt ist Gottes Gegenwart in Christus. Gottes Liebe, die sich in der Schöpfung ein Gegenüber schuf, geht nicht zu Ende. Auch der Tod hebt sie nicht auf. Im Glauben an Christus leben wir nicht in einer Zeit des Zerfalls, sondern des erneuerten Lebens. So wie Gott Christus ins Leben gerufen hat, ist er dabei, seine neue Schöpfung, sein Reich zu schaffen. Nicht wir müssen den Planeten retten, wie es auf Plakaten grüner Kampagnen gelegentlich zu lesen steht. Dieser bedrohte Planet ist ständig und bleibt auch in den dunkelsten Stunden ökologischer Zerstörung in Gottes lebens-schaffender Hand. [...]

Was heißt Nachhaltigkeit oder Zukunftsfähigkeit für die Kirchen Europas? Welche Folgerungen ergeben sich für ihr Zeugnis? Wie gelingt es den europäischen Kirchen, den Ruf zu weltweiter Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren? Wir haben zugleich über Einzelaspekte gesprochen – über den Klimawandel, über die motorisierte Mobilität, über den Umgang mit dem Wasser, über die Erziehung zu ökologischer Verantwortung, über die Notwendigkeit, dass die Kirchen ‚ihr eigenes Haus in Ordnung bringen’, das heißt ihre Gebäude und Aktivitäten unter dem Gesichtpunkt ökologischer Verantwortung überprüfen. [...]

Selbstverständlich wünschen wir uns, dass sich die Kirchen Europas zu einem noch entschlosseneren Zeugnis durchringen können, dass das Stadium der allgemeinen Erklärungen abgelöst wird durch ein sichtbares Engagement, dass die Stimme der Kirchen da zu hören ist, wo Entscheidungen fallen.

 

Aus: Eine Zeit der Schöpfung - zur theologischen Begründung der Schöpfungszeit:

Eine Zeit der Schöpfung im Kirchenjahr! Diese Ordnung hätte den Vorzug, dass sie den Glauben an Gott den Schöpfer mit dem Ganzen des Credo verbindet. Wenn heute von ökologischer Verantwortung die Rede ist, entsteht leicht der Eindruck, dass es sich um eine neue und dazu noch politische Aufgabe handle. Noch immer ist für viele Christen nicht klar, dass es dabei um einen Imperativ des christlichen Glaubens geht. Der heutige Umgang mit den Gaben der Schöpfung kommt einer Leugnung Gottes gleich. Jede Isolierung dieser Verantwortung vom Ganzen des Glaubens ist darum eine Verharmlosung.

 

Mag. Roland Zisser, ARGE Schöpfungsverantwortung

 

Dokumente von Lukas Vischer folgen in Kürze.


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