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Sonntag, 20. Mär 2011

Aus aktuellem Anlass - Offener Brief an die Bischofskonferenz!

 

 

Offener Brief an die Bischofskonferenz zum Thema Atomgefahren:


Österreichische Bischofskonferenz
z. Hd. Vorsitzenden
Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Atomkatastrophe
Verursacher und Betroffene

 

Sehr geehrte Mitglieder der Ö Bischofskonferenz!

Aus aktuellem Anlass empfehlen wir dringend eine Sonder-Bischofskonferenz mit Expertenhearing einzuberufen.

Hearings haben wir immer wieder angeboten, da sich die Verhältnisse seit dem von uns einberufenen Expertenhearing mit WB Schönborn und Umweltbischof Iby, 1994 (i.A.), dramatisch zugespitzt haben. Wir sind auch jetzt bereit aus den zahlreichen Kooperationen Experten für ein Hearing in Kürze zu gewinnen.

Das Leitungsteam der ARGE Schöpfungsverantwortung sieht Ihrer Rückmeldung bis 19. März entgegen

 

Mit freundlichen Grüßen:

I.Schönstein, P. G. Ziselsberger SVD, Prof. DI Dr. A. Moser, A. Söllner, Mag. Zisser; DI Ulrich Kral, Dr. Oskar Luger


 

Nahmhafte Experten nahmen zu dieser Thematik Stellung - Hearing 1994


Die Bewahrung der Schöpfung muss angesichts des enormen Ausmaßes an Umweltzerstörung auch und besonders Aufgabe der Kirche sein. Das war der Grundtenor eines Treffens von Wissenschaftlern und Ökologen mit den Bischöfen Dr. Paul Iby und P. Dr. Christoph Schönborn OP im Churhaus am Wiener Stephansplatz. Die Kirche solle aber auch ihre „Modellfunktion“ wahrnehmen und in der Umweltarbeit mit Beispiel vorangehen, hieß es bei der Begegnung, die von der „Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung“ veranstaltet wurde.

Kritisiert wurde unter anderem, dass die „amtliche Kirche“ keine klaren Stellungnahmen zur Umweltproblematik angebe. Pfarrer und kirchliche Verwaltung seien nach ökologischen Gesichtspunkten nicht immer beispielgebend. Die Wissenschaftler boten Zusammenarbeit und fachliche Beratung an.

 

Soll der Mensch „in Würde überleben oder vegetieren?“

Die Ausmaße der Umweltzerstörung

„Jährlich gibt es 1.300 Tote und 50.000 Verletzte auf Österreichs Straßen zu beklagen“, betonte Univ. Prof. Dr. H. Knoflacher vom Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Technischen Universität Wien. „Wie Götzendiener früher Höhlenfeuer für Baal errichtet haben, zündet heute jeder Autofahrer auf seinem privatem Altar mit dem Explosionsmotor das Feuer seines Geschwindigkeitsgottes“, so der Verkehrsexperte wörtlich. Kämen die 1.300 Österreicher durch andere „Werkzeuge“ als das Auto um, würde Österreich als Barbarei gelten. Hingegen sei es gesellschaftlich akzeptiert, dass mit Hilfe der Technik „der Mensch in der Schöpfung wie ein rücksichtsloser Einbrecher oder Dieb wütet“.

„Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Erhaltung der Schöpfung!“, unterstrich Univ. Doz. Dr. Werner Katzmann (Institut für Gesundheitswesen, Wien) in seiner Stellungnahme. Die Waldverwüstung habe in tropischen und borealen Wäldern ein Ausmaß von jährlich über 200.000 Quadratkilometer angenommen. Andererseits schreite die Wüstenbildung mit rund 80.000 Quadratkilometer jährlich rasch voran. Täglich würden 160 Tier- und Pflanzenarten ausgerottet. Der Treibhauseffekt habe bereits zu einem drastischen Temperaturanstieg geführt, bis zum Jahr 2050 seien für unsere Breiten 2-4 Grad plus vorausgesagt. Ob wir das Umweltproblem lösten oder nicht „wird das Überleben im Würde oder das Vegetieren des Menschen entscheiden“, so Katzmann wörtlich.

Mag. Christiane Hauer, Leiter der Gruppe „Aktion Klima“, wies darauf hin, dass weltweit „pro Sekunde etwa 1000 Tonnen Erdreich abgeschwemmt oder abgetragen und rund 1000 tonnen Treibhausgase in die Luft geblasen werden“. Wir hätten unsere Erde „von unseren Nachkommen nur geliehen“. Deshalb, so Hauer, „sind wir dafür verantwortlich, dass diesem Wahnsinn Einhalt geboten wird!“

Univ. Prof. Dr. Alfred Schmidt, Vorstand des Instituts für Verfahrens-, Brennstoff und Umwelttechnik an der Technischen Universität Wien, sprach unter anderem von den psychischen Folgen, die die Umweltzerstörung vor allem unter Jugendlichen zeitige. Den Lebenserleichterungen durch die Technik stünde die wachsende Umweltzerstörung gegenüber, die durch falschen oder gewissenlosen Einsatz von Technik verursacht werde. „Dem statistisch nachweisbaren Anstieg des mittleren Lebensalters der Bevölkerung steht ein ebensolcher Anstieg der Lebensangst besonders bei der Jugend gegenüber“, meinte Schmidt. Diese Zukunftsangst sei auch die Ursache für die „Flucht in Drogen und in Sekten“.

„Heute steht der Arzt in Europa vor völlig neuen Bedrohungen der Gesundheit“, hob Dr. Heinz Fuchsig (Vorstand des Vereins „Ärzte für eine gesunde Umwelt“) hervor. Zwar hätten die meisten übertragbaren Krankheiten ihren Schrecken verloren, hingegen „nehmen die sogenannten Zivilisationskrankheiten ständig zu“. Die Kosten aus Wirbelsäulenschäden, psychischen Störungen und Allergien explodieren, so Fuchsig in seiner Stellungnahme.

Prim. Univ. Doz. Dr. H. Zwick von der Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten des Krankenhauses Lainz (Wien) wies auf die umweltbedingten Schäden der Atemwege vor allem bei Kindern hin. In einem Forschungsprojekt der Abteilung Lainz wird dem Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und Atemwegserkrankungen nachgegangen. So konnte nachgewiesen werden, dass Kinder in Städten häufiger überempfindliche Bronchien aufweisen als auf dem Land. Trotzdem ist die Ozonbelastung auch auf dem Land hoch und schädigt die Lunge. Besondere Untersuchungen werden in zwei Gruppen durchgeführt: an Bäckern (um die Früherkennung des „Bäckerasthmas“ zu erleichtern) und Kanalräumern in Wien.

 

„Kirche muss Anwältin der bedrohten Schöpfung werden“

Grundsätzliche Erwartungen an die Kirche

Die Kirche müsse sich „zur Anwälting der Schwächsten und Gefährdetsten“ machen. Das bedeutet aber auch, dass sie der bedrohten Schöpfung ihre Stimme mehr als bisher leiht!“, sagte Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Werner Biffl, Ordinarius für Siedlungswasserbau und Gewässerschutz an der Universität für Bodenkultur in Wien. Die Kirche haben aus ihrer „Modellfunktion“ eine wichtige Aufgabe für „die Schöpfung als Sakrament“, so Biffl: In der Bewusstseinsbildung und der Einübung ökologische geförderter Handlungen könnten „Gruppen, Gemeinden und Bewegungen große Wirkung auf die ganze Gesellschaft haben“.

Die Nutzung der Technik in den letzten 100 Jahren diente nicht mehr dem Menschen, sondern dem unbegrenzten Kapitalwachstum, das an die Stelle anderer Werte in unserer Gesellschaft getreten sei, meinte der Verkehrsexperte Univ. Prof. Dr. H. Knoflacher. Das Verkehrssystem habe „ungeheure Lebensraumzerstörung und Landschaftsverwüstungen“ bewirkt. „Obwohl sich Bürger, die dieses Wüten erkannt haben, hilfesuchend vor Jahren an die Bischofskonferenz gewandt haben, um Unterstützung in ihrem verzweifelten Kampf gegen die Lebensraumvernichtung zu erhalten, zu einer Änderung des Wertesystems beitragen, das gegenwärtig vom streben nach unbegrenztem Kapitalwachstum geprägt sei.

Als „tiefes religiöses Anliegen“ bezeichnete Dipl. Ing. Thomas Steiner den Umweltschutz. Die Kirche müsse Mut haben, „die prekäre Umweltsituation klar anzusprechen“, so Steiner von der Koordinierungsstelle für Umweltschutz der Niederösterreichischen Landesregierung. Damit die Schöpfung bewahrt werden könne, müssten auch Maßnahmen getroffen
werden, die „verunsichern“. „Teilen, Sparen und Verzichten“ seien „tiefe christliche Verhaltensweisen“.

Die Kirche könne im Schutz der Umwelt deshalb Vorreiter sein, „weil sie kaum wirtschaftlichen oder politischen Interessen verpflichtet ist“, unterstrich Dipl. Ing. Lois Berger (Liegenschaftsabteilung der Diözese Eisenstadt).

Univ. Prof. Dr. Ferry Stocker von der Wirtschaftsuniversität Wien (Politische Ökonomie und internationale Wirtschaft) meinte, die Kirche könne „einen oft vernachlässigten Ansatzpunkt der Politik aufgreifen“: Es müsse die Bereitschaft erhöht werden, einen Beitrag zum „öffentlichen Gut Umwelt“ zu leisten. Würden die Anreize richtig gesetzt, würde mit „Umwelt“ sparsamer umgegangen: die hohen Kosten der Umweltzerstörung und die volkswirtschaftliche Ressourcenvernichtung müssen in das Entscheidungskalkül dazu beitragen, die Akzeptanz für dringende notwendige umweltpolitische Maßnahmen zu erhöhen.

„Die Kirche soll einen Aufstand für die Schöpfung anführen, einen soziale Bewegung im Interesse der zukünftigen Generationen“, meinte Dr. Edeltraud Buchberger, langjährige Mitarbeiterin in der sozialen und politischen Erwachsenbildung in der Diözese Linz sowie im Arbeitskreis Ökologie des Linzer Pastoralrates. An der Spitze einer solchen „Bewegung“ sollten „kirchliche Exponenten“ stehen. Die Amtsträger der Kirche sollten von Fachleuten gut beraten und von der breiten Basis unterstützt werden. Die Kirche müsse aber darüber hinaus im eigenen Bereich Schwächen und Umweltsünden eingestehen und daraus die Konsequenzen ziehen, so Buchberger.

„Christlichen Werthaltungen in unserer Welt zum Durchbruch zu verhelfen“ nannte Dr. Rolf Jens (Arzt) als „eine der zentralen Aufgabenstellungen für die Kirche“. „Umwelt“ schließe auch Verhaltensweisen und Sozialstrukturen ein. Die Kirche solle überalle dort „ihre Stimme erheben, wo Werte, die wesentlich für das Christsein stehen, bedroht sein“. Dies müsse in einer „laufenden Auseinandersetzung mit der Wissenschaft, dem Staat und der Gesellschaft“ geschehen.

Von der Notwendigkeit einer neuen Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage einer christlichen Soziallehre ist der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Biotechnologie, Hon. Prof. Dipl. Ing. Dr. Heinrich Wohlmeyer, überzeugt. Dabei müssten auch „bislang als unantastbar hingestellte Spielregeln des Welthandels und des Weltkapitaltransfers“ verändert werden. Dazu gehöre – statt einer „indifferenzierten Effizienzraserei“ – der „behutsame Umgang mit den Lebensgrundlagen“.

Glaubenswürdig sei das Engagement für den Schutz des ungeborenen Lebens nur dann, wenn es sich auch gegen gesundheitliche Schäden der Ungeborenen richte, hob Univ. Doz. Dr. Peter Weish, Humanökologe an der Universität Wien, hervor. Durch ein mutiges Eintreten für die Bewahrung der Schöpfung werde die Kirche auch wieder junge Menschen gewinnen. Er ist seit 1977 unter anderem Mitglied des Arbeitskreises Umwelt des Kommissariats Deutscher Bischöfe in Bonn.

Dr. Josef Glößl, Leiter des Zentrums für Angewandte Genetik an der Universität für Bodenkultur in Wien erwartet sich einen Beitrag der Kirche zu einer konstruktiven öffentlichen Diskussion über den Einsatz der Gentechnik. Die Kirche könne diese Aufgabe erfüllen, weil sie in der Bevölkerung „breit verwurzelt“ sei. Die Gentechnik sei „von gesellschaftspolitscher Relevanz und auch für Umweltfragen von Bedeutung“.

 

„Jedem Pfarrer seine Solaranlage!“

Wie kann die Kirche konkret zur Bewahrung der Schöpfung beitragen?

Die globale Klimaveränderung durch enorme CO2-Emissionen mache es notwendig, dass die „absolute ausgereifte Energiegewinnung durch Solaranlagen mehr als bisher gefördert wird“, fordert Mag. Christian Hauer, Leiter der Gruppe „Aktion Klima“. Der bisherige Erfolg der Solarenergie basiere auf der Vorbildwirkung. „Diese könnte über die Pfarren Österreichs wesentlich gestärkt werden“.

„Am 9. Jänner 1995 hat eine 9 Quadratmeter große Solaranlage einen 200 Liter-Boiler auf 60 Grad erhitzt. Anfang Februar erreichte eine Solaranlage in Pottenstein 95 Grad (!) heißer Kollektortemperatur“. (Mag. Christian Hauer)

 

Ein „schönes“ Medienecho konkret gelebter Schöpfungsarbeit“ könne es geben, wenn die katholische Kirche dem „Klimabündnis“ am „Umweltschutztag der UNO“, dem 5. Uni, beitrete, meinte der Umweltberater Andreas Schlüter.

Dr. Christian Zwirtmayr (Zahnarzt und Ökologe) und Dipl. Ing. Lois Berger (Liegenschaftsabteilung der Diözese Eisenstadt) wiesen auf die vielen Bereiche hin, in denen Umweltschutz in diözesanen und pfarrlichen Einrichtungen noch mehr als bisher möglich wäre.

„Klare Zielvorgaben, klare Arbeitsstrukturierungen und gute Öffentlichkeitsarbeit“ seine für eine effiziente Umweltarbeit nötig, betonte Dipl. Ing. Thomas Steiner von der Koordinationsstelle für Umweltschutz der Niederösterreichischen Landesregierung. Eine „Umweltstelle in der katholischen Kirche zur Koordinationsarbeit sei „längst notwendig geworden“, so Steiner. Diese Umweltstelle müsse „mit den erforderlichen personellen und finanziellen Mitteln ausgestattet“ werden. Diese Maßnahme könne in Kooperation der katholischen Kirche mit dem Land Niederösterreich erfolgen.


Die Kirche könnte durch die verbindliche Forderung ihre Gelder nach ökonomischen und ökologischen Kriterien veranlagen und damit einen Anreiz zur Entwicklung neuer Finanzprodukte – wie zum Beispiel Ökofonds – geben“, so Mag. Patrizia Nessmann, Umweltbeauftragte der Creditanstalt (CA). dadurch könnte die Kirche ihre Vorbildfunktion beim Schutz des Lebens neuerlich demonstrieren. Die CA haben bereits Erfahrungen in der „Betriebs- und Büroökoligie“ gesammelt und bieten der Kirche gerne ihre Hilfe an.

Das „Freitagsfasten aus seiner Individualisierung herauszuholen“ und „als ökologisch vertieften katholischen Gemeinschaftsbrauch zu resozialisieren und zu reaktivieren“, regte Univ. Ass. Dr. Kurt Remele vom Institut für Ethik und Sozialwissenschaft der Karl-Franzens-Universität in Graz an. Daran könne auch der „barmherzige Umgang mit der vorpersonalen Kreatur“ deutlich werden. „Am Freitag nur Fleischlose Speisen zu essen, würde dann als erneutes katholisches Identitätsmerkmal gelten“, unterstriche Remele.

 

Downloads:

Artikel "Kirche und Bewahrung der Schöpfung"

 

AKTUELL:

Offener Brief an die BIKO bezüglich Atomgefahr


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