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Sonntag, 26. Dez 2010

Das Ende der Nacht - Blick auf die Erde: Heller die Lichter nie leuchten

 

Das Problem der "Lichtverschmutzung“

Das Problem der "Lichtverschmutzung“

Prof. Posch
homepage.univie.ac.at/thomas.posch/endedernacht/endedernacht.html

Literaturempfehlungen der ARGE Schöpfungsverantwortung:

www.argeschoepfung.at

 

Wenn es Nacht wird, beginnen weltweit unzählige künstliche Lichtquellen zu strahlen. Ausgehend von den Städten, Ortschaften, Gebäuden und Straßen bis hin zu den Bergbahnen im Gebirge, erobern nächtliche Lichtkonzentrationen immer mehr die Landschaft. Allein die Stadt Wien strahlt nachts 2 Megawatt an Licht"leistung" in den Weltraum ab.

Seit es auf der Erde hell geworden ist, haben sich die Lebensbedingungen vieler Tiere dramatisch verändert. Milliarden von Insekten und Vögeln gehen jährlich in die tödlichen Lichtfallen. Ein anderer Teil der Natur verschwindet ebenfalls zusehends: Die Pracht des Sternenhimmels ist nur mehr in entlegenen Gebieten zu bewundern und die Milchstraße ist ein Naturphänomen, das vielen Menschen kaum mehr bekannt ist. Darüber hinaus beeinflusst die erhellte Nacht zunehmend den natürlichen Tag- Nacht-Rhythmus des Menschen. Umweltassoziierte Gesundheitsstörungen wie Schlafstörungen, Energielosigkeit und andere, z.T. schwer wiegende Folgeerkrankungen können die Auswirkungen von Lichtimmissionen auf den Lebensbereich des Menschen sein.

 

Beleuchtungssituation

Vor etwas mehr als 100 Jahren sind in Europa die ersten elektrischen Außenbeleuchtungsanlagen in Betrieb gegangen. Inzwischen sind es Millionen von Lichtquellen, die Nacht für Nacht die Landschaft erhellen. Längst dient Licht nicht nur mehr dem Bedürfnis des Menschen nach Sicherheit. Licht ist ein Symbol für Luxus geworden, selbstverständlich und uneingeschränkt einsetzbar, sei es für Werbezwecke, Effektbeleuchtung oder zur Beleuchtung von Freizeiteinrichtungen.

Es ist höchste Zeit, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass der verschwenderische Umgang mit künstlichem Licht zahlreiche negative Folgen hat, und dementsprechend zu handeln!

 

Mensch und Gesundheit

Due überwiegende Mehrzahl der irdischen Lebewesen hat sich im Laufe der Jahrmillionen an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Zahlreiche Körperfunktionen sind auf diesen Rhythmus abgestimmt- auch jene des Menschen! So bildet der menschliche Organismus nur in der Dunkelheit das Hormon 'Melatonin'. Bereits geringe Lichtintensitäten können die Produktion dieses wichtigen Hormons reduzieren!
Dazu Prof.Dr. Peter Heilig von der Medizinischen Universität Wien: "weniger Melatonin bedeutet einen schlechteren Schlaf und mehr Stress. Dieser kontinuierliche Stress kann das Immunsystem schwächen und so die Gesundheit beeinträchtigen!" Mehreren Untersuchungen zufolge gibt es sogar Hinweise darauf, dass Melatonin eine krebshemmende Wirkung haben könnte.

 

Natur

Seit Millionen von Jahren ist Licht der ursprüngliche Rhythmusgeber, auf den sich alle Organismen eingestellt haben. Manche haben sich auf ein Leben in der Nacht spezialisiert, andere auf ein Leben am Tag. Ein besonderes Problem mit künstlichem Licht haben nachtaktive Tiere, wie zahlreiche Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse und andere Säugetiere. Man schätzt, dass zum Beispiel in Deutschland 180 Milliarden Insekten jährlich an Straßenlaternen verenden. Folgende biologische Auswirkungen der Lichtverschmutzung wurden bislang beschrieben:

  • Blendung & Desorientierung
  • gestörte/eingeschränkte Futtersuche
  • veränderte Räuber-Beute-Beziehung
  • gestörte soziale Interaktion (Entwicklung & Fortpflanzung)
  • eingeschränkter Aktionsradius (Barrierewirkung, Vertreibung)
  • gestörte Ruhephasen
  •  

Astronomie

Durch die Aufhellung des Nachthimmels sind am durchschnittlichen Nachthimmel in Österreich nur mehr 10% der eigentlich mit freiem Auge sichtbaren Sterne zu erkennen!

Die Lichtverschmutzung schränkt den Beobachtungsbetrieb in großstadtnahen astronomischen Observatorien immer mehr ein. Die Instrumente traditionsreicher Sternwarten wie Greenwich, Paris, Potsdam, Wien und sogar der berühmte 5-Meter-Spiegel auf Mount Palomar, wurden und werden durch die stetig anwachsende Lichterflut massiv entwertet. Selbst Observatorien, die auf hohen Bergen fernab von Millionenstädten errichtet wurden, bedürfen heute des Schutzes vor Lichtverschmutzung in Form von gesetzlichen Bestimmungen.

Die Aufhellung des Nachthimmels durch die Zivilisation ist nämlich ein Phänomen mit enormer Fernwirkung. Die Lichtglocken großer Städte hellen den Himmel - am stärksten im Horizontbereich - sogar noch in Hunderten Kilometern Entfernung (!) auf. Um diese Beeinträchtigung astrophysikalischer Forschungen zu verhindern, wird die Helligkeit des Himmelshintergrundes zum Beispiel am Observatorio del Teide - Teil des Astrophysikalischen Instituts der Kanarischen Inseln - regelmäßig gemessen. Eine ähnliche Situation hat sich in Chile im Umfeld der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte eingestellt. Schließlich kostet eine einzige Beobachtungsnacht an einem Teleskop mit 8 Metern Spiegeldurchmesser heute etwas 120.000 Euro - und wer könnte es rechtfertigen, dass das so kostbare Licht der Galaxien, das vielfach Millionen bis Milliarden Jahre bis zur Erde unterwegs war, auf den letzten Kilometern durch achtlos erzeugten irdischen "Lichtmüll" in seinem Informationsgehalt beeinträchtigt wird?

Bislang ist kein einziger Fall bekannt geworden, wo infolge der Reglementierung der nächtlichen Außenbeleuchtung für astronomische Forschungsinteressen negative Folgen wie etwa mehr Einbrüche, mehr Verkehrsunfälle oder auch nur geringere subjektive Zufriedenheit der Anwohner eingetreten wäre.

 

Quelle:
homepage.univie.ac.at/thomas.posch/endedernacht/endedernacht.html

 

Download: Nachtleuchtende Wolken


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