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Samstag, 13. Feb 2010

Glaubenstraditionen wider die globale Erwärmung: Das interreligiöse Klimamanifest von Uppsala

 

Hoffnung für die Zukunft

Als religiöse Führer und Lehrer aus der ganzen Welt, die wir uns 2008 in Uppsala versammeln, rufen wir im Angesicht der globalen Klimabedrohung zu nachhaltigem Führungsverhalten und Handeln auf. Als Angehörige von Glaubenstraditionen, die sich dem religiösen Leben in unterschiedlicher Weise annähern, finden wir uns an diesem Punkt in der Geschichte der Menschheit zusammen, um vor der Welt unsere Gemeinsamkeiten zu formulieren. Wir alle haben die gemeinsame Verantwortung, für unsere Heimat, den Planeten Erde, bewusst Sorge zu tragen. Wir haben über die besorgten Äußerungen von Wissenschaftlern und politischen Führungspersönlichkeiten zum alarmierenden Klimawandel nachgedacht. Wir teilen ihre Befürchtungen.  

Die Weltreligionen sind die Quelle jener Tatkraft, mit deren Hilfe eine Veränderung unserer Lebens- und Konsumgewohnheiten möglich ist. Der Glaube besitzt noch immer eine enorme Kraft, die bei einem beträchtlichen Teil der Menschheit Gutes bewirken kann. Diese Mission treten wir im Geiste von Verantwortung und Glauben an.
 


Vom Wunder zum Wandel

Mit Ehrfurcht betrachten wir das Leben auf dem Planeten Erde. Es ist ein Wunder – und ein Geschenk! In wolkenlosen Nächten erfüllt uns der Anblick des sternenübersäten Himmels mit Staunen. Wir werden an unsere Stellung im Universum erinnert. Wir haben viele Gründe, uns in Demut zu üben. Wenn wir am Meeresufer, inmitten der Wüste oder in den Tiefen des Waldes meditieren, werden wir eins mit dem Universum, und sind doch so klein. Glaubenstraditionen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen treffen zusammen, um ihrem Staunen und ihrer Ehrfurcht vor dem Geschenk des Lebens Ausdruck zu verleihen.
 
In der Geschichte der Erde war das Klima stets Schwankungen unterworfen. Dennoch erfüllen uns die unabsehbaren Folgen menschlichen Einwirkens auf das hochkomplexe und fragile Klimasystem der Erde mit großer Sorge. Heute stellt die Menschheit eine bedeutende Macht dar, die die Voraussetzungen für das Leben und Wohlergehen fast aller Lebewesen auf dem Planeten verändert. Wir wissen genug, um zu erkennen, dass wir jetzt handeln müssen – im Interesse kommender Generationen. Die Lage ist kritisch. Gletscher schmelzen, Permafrostböden tauen auf. Verheerende Dürren und Überschwemmungen suchen Menschen und Ökosysteme heim, besonders im Süden.


Kann die Erde noch gerettet werden? Wir sind überzeugt: Es ist möglich. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein tief greifendes Umdenken in Fragen, die das menschliche Dasein, Lebens- und Arbeitsweisen, Wirtschaft, Handel und Technologie betreffen. Ethik und Werte sind für die Entwicklung neuer institutioneller Strukturen und Systeme in der Politik und in der Finanzwelt von wesentlicher Bedeutung. Im Bereich der Religionen ist Weitblick seit jeher von großem Belang. Was die Welt mehr als je zuvor braucht, ist eine herausragende, visionäre politische Führung.


Was wir vom Kopenhagen-prozess erwarten


Das Heil der Erde liegt nicht allein in neuen Technologien und einer ökologisch ausgerichteten Wirtschaft. Es steht und fällt mit dem, was in uns ist. Ein Leben ohne Hoffnung ist der menschlichen Existenz abträglich. Die Völker dieses unendlich schönen, kostbaren Planeten müssen einen Dialog anstreben über die Bedeutung des gemeinschaftlichen Lebens in einem globalen Dorf, das von globalem Mitgefühl geprägt ist. Hier können die Religionen einen entscheidenden Beitrag leisten.

Als Angehörige von Weltreligionen appellieren wir an Regierungen und internationale Organisationen, eine umfassende Klimastrategie für das Kopenhagener Abkommen zu erarbeiten und zu vereinbaren. Diese Strategie muss darauf abzielen, den Klimawandel auf eine weltweite Erderwärmung um maximal 2 Grad Celsius zu beschränken und die Last entsprechend den Prinzipien einer gemeinschaftlich getragenen, jedoch differenziert ausgestalteten Verantwortung und je nach den jeweiligen Fähigkeiten gerecht zu verteilen. Das Greenhouse Development Rights Framework liefert ein konkretes Modell für eine solche Lastenverteilung. Wir fordern alle aktiv Beteiligten eindringlich dazu auf, politisch akzeptable Instrumente zu finden, die eine Verwirklichung dieses Modells ermöglichen.

Das Kopenhagener Abkommen muss dem Missbrauch von Ländereien, Wald- und Ackerland entgegenwirken, indem es Landeigentümern/-nutzern und indigenen Gemeinschaften attraktive Anreize zur Neubegründung und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern als Kohlenstoffsenken in Aussicht stellt.

Wir fordern von den politischen Führungen in aller Welt:

  • Kurzfristige und umfangreiche Emissionssenkungen in den wohlhabenden Ländern. Entwickelte Länder insbesondere in Europa und Nordamerika müssen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. In den entwickelten Ländern müssen die Emissionen im Vergleich zum Emissionspegel von 1990 bis 2020 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. 
  • Verbindliche Emissionssenkungen in den wohlhabenden Ländern über die eigenen Verpflichtungen hinaus. Diese Länder sollen den Prinzipien entsprechend von Verantwortung und Fähigkeit zusätzlich zu ihren einheimischen Initiativen auch internationale Senkungen finanzieren. Die entsprechenden Zahlungen sollen als Pflichtbeiträge und nicht als freiwillige Abgaben geleistet werden.
  • Messbare, nachprüfbare und berichtspflichtige Maßnahmen seitens der Entwicklungsländer, insbesondere derjenigen mit starkem Wirtschaftswachstum.
  • Flächendeckende Übertragung und gemeinsame Nutzung wichtiger Technologien. Alle Länder müssen die gemeinsame Nutzung von Technologien fördern und erleichtern, die für die Emissionssenkung von substanzieller Bedeutung sind. Entwicklungsländer müssen realisierbare und technologisch verantwortungsvolle Chancen zur Versorgung ihrer Bevölkerungen erhalten.
  • Wirtschaftliche Anreize für Entwicklungsländer zur Förderung einer saubereren Entwicklung auf nationaler Ebene.  

 
Anpassung an den Klimawandel.  Die Länder müssen entsprechend denbereits genannten Prinzipien von Verantwortung und Fähigkeit sicherstellen, dass armen und gefährdeten Gemeinschaften Verantwortung übertragen und Unterstützung gewährt wird. Die Anpassung an den Klimawandel darf nicht am Mangel finanzieller oder sonstiger Mittel scheitern.

 

Demut, verantwortung – und hoffnung

 

Wir appellieren an politische und religiöse Führungspersönlichkeiten, die Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten sowie für dieLebensbedingungen und die Erhaltung des Lebensraums künftiger Generationen zu tragen, in der Gewissheit, dass sie dabei mit der Unterstützung und Zusammenarbeit der Glaubensgemeinschaften in aller Welt rechnen können. Die Klimakrise ist von fundamentaler spiritueller Bedeutung für das Überleben der Menschheit auf Erden. Gleichzeitig sind wir heute – wie niemals zuvor – in der Lage, eine nachhaltige Entwicklung in die Wege zu leiten. Die Menschheit verfügt über das Wissen und die hierfür erforderliche Technik. In der Bevölkerung nimmt die allgemeine Bereitschaft zu, alles Mögliche und Nötige zu tun.

Wir sind gefordert, die Werte, Philosophien, Überzeugungen und moralischen Konzepte zu überdenken, die unser Verhalten geformt und motiviert haben und unser gestörtes Verhältnis zu unserer natürlichen Umwelt maßgeblich beeinflusst haben.

Wir verpflichten uns, innerhalb unserer verschiedenen Glaubenstraditionen und für alle anderen, die dieses wünschen, die Verantwortung für die moralische Führerschaft zu übernehmen und zu teilen. All jene, die Einfluss auf die Bildung des Intellekts und des Geistes haben, rufen wir dazu auf, für eine grundlegende Neuausrichtung des Verständnisses der Menschheit von sich selbst und der Welt einzutreten, die uns hilft, unsere Entfremdung einzugestehen und uns in unserem Streben ermutigt, ein Leben im Einklang mit der Natur und im Einklang miteinander zu führen.

Wir bieten das Geschenk unserer verschiedenen Glaubenstraditionen als Quelle für jene Tatkraft an, die die Entwicklung nachhaltiger Lebensgewohnheiten und Konsummuster ermöglicht. Diese Mission treten wir im Geiste von Demut und Verantwortung, Glauben und Dringlichkeit an.

Der Augenblick ist gekommen, Völker und Nationen zu mobilisieren.

Als Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen verpflichten wir uns:

  • Angehörige unserer eigenen Religionen und Kulturen dazu anzuhalten, Verantwortung für wirksame Maßnahmen zu übernehmen sowie diese umzusetzen.
  • Politische und wirtschaftliche Führungspersönlichkeiten in unserem privaten Lebensbereich und beruflichen Umfeld aufzufordern, umfassende Strategien und Maßnahmenpläne zu erarbeiten.
  • Uns auf den Kampf gegen die globale Erwärmung zu konzentrieren und uns auf unsere innersten religiösen Überzeugungen hinsichtlich der Bedeutung desLebens zu berufen. Diese Verpflichtung ist zutiefst spiritueller Natur und berührt Themen wie Gerechtigkeit, Frieden und die Hoffnung auf eine Zukunft in Liebe und Solidarität mit allen Menschen und der gesamten Schöpfung.

 

Als religiöse Führer und Lehrer wollen wir einer Kultur der Angst mit einer Kultur der Hoffnung entgegenwirken. Wir möchten der Klimakrise mit unverzagtem Optimismus gegenübertreten, um die Grundprinzipien aller großen heiligen Überlieferungen der Welt hervorzuheben:  Gerechtigkeit, Solidarität und Mitgefühl. Wir wollen die wissenschaftliche und politische Führungsspitze zum Handeln ermutigen. Wir fordern unsere Gemeinden auf, das größte Geschenk, das uns gegeben ist – das Leben – mit Freude und Hoffnung entgegenzunehmen.
 
 
 


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