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Donnerstag, 23. Aug 2007

Zurück zur Menschlichkeit, zurück zur Schöpfung

 

Beitrag zum Europäischen Autofreien Tag am 22. September 2007 von Univ. Prof. Dr. Knoflacher

Ein Beitrag von Univ. Prof. DI Dr. Knoflacher

Hätte Gott statt Menschen Autofahrer wollen, hätte er uns Räder gemacht und damit wohl einen großen Teil seiner Schöpfung der ersten fünf Tage gefährdet und vernichtet. Statt der Wunder der Vielfalt des Netzwerkes der Schöpfung, das uns alle hält, wäre die Erde tot und öd wie die Autobahnen von heute. Die Macht, die das Erdöl unseren „Beinen“ beim Autofahren heute verschafft, übersteigt die Vorstellungskraft der Menschen ebenso auch die Folgen ihres Handelns. In Unkenntnis der Folgen der Autobenutzung wurde dieses Verkehrssystem eingeführt und gegen die Natur durchgesetzt, zum Vergnügen des Einzelnen, aber zum Schaden der Gesellschaft und der ganzen Schöpfung.

Lange Zeit folgte der Mensch in seinen Siedlungen den Schöpfungsprinzipien und entwickelte Vielfalt, Freiheit und Schönheit, um zu Fuß in den Dörfern und Städten leben und sich entwickeln zu können. Kinderstimmen und Arbeitsgeräusche waren sein akustisches Profil und die Luft war rein, bis die Industrie sie zu vergiften begann. Die Schäden der Industrie konnte man teilweise mildern, die ihrer Produkte wie des Autos haben sich dafür über die ganze Welt ausgebreitet. Nirgends kann der Mensch mehr reine Luft atmen, weil sie überall Rückstände der Verbrennungsmotoren technischer Verkehrssysteme mit sich trägt, die Krebs auslösen und die Erbmasse verändern können. Aus dem Reichtum der Schönheit und der Vielfalt der Siedlungsstrukturen von einst wurde die Öde der Agglomerationen, zu deren hervorragenden Merkmalen die Hochhäuser gehören.

Der europaweite autofreie Tag bietet jedem Menschen die Riesenchance zu entdecken wie arm er durch diese „Entwicklung“ trotz des materiellen Reichtums, der in der Anhäufung von Industrieprodukten besteht, in Wirklichkeit ist. Um unsere Armut wahrzunehmen braucht man nur in seinem Umfeld zu Fuß herumzugehen und das zu suchen, was der Mensche braucht. Arbeitsplätze in Vielfalt, Einkaufsmöglichkeiten zur Auswahl in verschiedenen Geschäften, Freizeitaktivitäten für die Kinder, ohne sie zu gefährden, Treffpunkte für die Erwachsenen und die Alten. Noch vor 50 Jahren war all das noch da, was heute verschwunden ist. Heute leben die meisten Menschen in einer von Fahrmaschinen verstellten und verunstalteten Umgebung, die verlärmt ist und ihre Atemluft mit Giftgasen belastet.

Die freie Mobilität der Menschen wurde ihnen genommen, um den Maschinen Platz zum Rasen zu schaffen. Rechnet man die durch Verkehrsunfälle und Giftgase verlorene Lebenszeit der Menschen, dann wird eine Stunde hinter dem Lenkrad im System mit über einer halben Stunde an Lebenszeit „bezahlt“, ein Preis für ungehemmte Bequemlichkeit, der nicht bewusst gemacht wird. Pro Minute sterben weltweit drei Menschen bei Autounfällen und fünfzig Mal mehr werden in dieser Zeit verletzt, ganz zu schweigen von dem Elend, das damit über viele Familien hereinbricht.

Jede Autobahn und jede schnelle Fahrbahn ist eine Anlage, auf der nicht nur Menschen sterben, sondern auch in ihrer Umgebung indirekt getötet werden, durch Abgase, durch Lärm. Über 12 Kilometer breitet sich der Abgasteppich entlang einer Autobahn auch im Flachland aus. Viel schlimmer ist aber die Situation in den engen Alpentälern, von denen die meisten in den vergangenen Jahrzehnten in Österreich verwüstet wurden. Wo man früher Ruhe und Erholung suchen konnte, reicht der zerstörerische Autolärm heute bis zu den Alpengipfeln.

Die Erdölförderung wird in Zukunft mit der Nachfrage nicht Schritt halten können. Billige Energie wie im 20. Jahrhundert gehört der Vergangenheit an. Wer daher heute noch Autobahnen und Fahrbahnen plant und baut, handelt gegen die Menschen und gegen die Zukunft. Während die Geburtenrate der Menschen sinkt, steigt dafür die der Konzernkinder, der Autos – und diese werden auch immer fetter, schwerer und größer. Und sie besetzen immer mehr den Lebensraum der Menschenkinder. Selbst unser Rechtssystem ist menschenfeindlich, denn es schreibt zwar für jede Wohnung einen Autoabstellplatz vor, aber keinen Platz für Kinder.
Und die Menschen sitzen heute in dieser von ihnen selbst geschaffenen Falle und glauben hilflos zu sein oder sind gar der Meinung, auf das Auto angewiesen zu sein. Nur Bewegungsbehinderte sind wirklich auf ein Auto als Bewegungsprothese, was jedes Auto in Wahrheit ist, angewiesen. Diese Armut an Gelegenheiten, die in den Siedlungsstrukturen der letzten 50 Jahre geschaffen wurde, führt heute dazu, dass man oft gezwungen ist das Auto zu benützen, obwohl es der Verursacher dieses Problems ist. Wahrlich eine teuflische Falle!.
Sie wird immer deutlicher sichtbar und zeigt das Ende dieser Ära an, die glaubt die Strukturen bauen zu können, die gegen die Prinzipien der Schöpfung errichtet wurden.

Der autofreie Tag soll so viele wie möglich zur Besinnung bringen wieder in den Strom der Schöpfung zurückzukehren, der – ob die Menschen wollen oder nicht – zu Fuß fortgesetzt werden wird. Hier beweist sich das Wort: die Letzten von heute, die Fußgeher, werden die Ersten in Zukunft sein. Und ebenso wenig wie ein Kamel durchs Nadelöhr gehen konnte, wird es ein Autofahrer schaffen in den Himmel zu kommen. Und immer noch bauen unsere Politiker diese Fallen für die oft ahnungslosen Menschen im Interesse der internationalen Großkonzerne, die immer mehr die Weltherrschaft antreten und überall, wo sie auftauchen, die Menschen ärmer machen.

Der autofreie Tag ist für die Autofahrer eine Chance wieder zur Mobilitätsform der Schöpfung zurückzufinden. Sie können aus ihrer Sackgasse, in die es wie mit Öl geschmiert und hohen Geschwindigkeiten hineingegangen ist, wieder zurückfinden. Vielleicht entdecken sie dabei - wenn sie Glück haben – den Reichtum, den sie mit dem Auto verloren haben, zumindest aber die Armut, in die sie geraten sind. Der Weg zum aufrechten Gang, der Mobilitätsform des Menschen vom Vierbeiner Auto ist ein langer und schwieriger, weil er aufwärts führt, wie alles Leben, zurück zur Menschlichkeit, zurück zur Schöpfung.


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