ARGE Schöpfungsverantwortung

Den Todesstoß Südostösterreichs verhindern!

Eisenbahnlücke; Foto: SPB

200.000 Menschen verlieren ihre Bahnanbindung

Der Landflucht muss gegengesteuert werden, um vor allem der Jugend Arbeitsplätze und Lebensqualität zu sichern. Das geht nur mit Verkehrssystemen der Zukunft, so das Ergebnis der Veranstaltung „Mobil 2020 in der Grenzregion Südost“, die am 27.Juni in Bad Tatzmannsdorf stattfand und viel Zuspruch gefunden hat. Fachexperten, Entscheidungsträger und Bürger beschäftigten sich dabei mit der Frage, welche Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung mit welchen Verkehrssystemen in der Zukunft notwendig sind und wie diese einander optimal ergänzen können.

„Immer mehr Österreicher steigen auf die Bahn um“, berichten Medien seit Jahren. In die genaue Gegenrichtung zwingt eine verfehlte Politik hingegen die Einwohner der Region Südost. Nachdem bereits die Pinkatalbahn eingestellt worden ist, soll laut ÖBB bis 2025 auch die Thermen- und Wechselbahn von Fehring bis Aspang eingestellt werden. Auch der Bahnverkehr in das Mittelburgenland wackelt. Damit verlieren etwa 200.000 Menschen in Österreich einen Anschluss an das höherrangige Bahnnetz sowie in die Bundeshauptstadt - das betrifft die Bezirke Hartberg-Fürstenfeld, Oberpullendorf, Oberwart und Güssing. Seit 2011 warnt die Initiative „Südburgenland Pro Bahn“ vor den Folgen des Bahnabbaus in der Region:

 

  • Zum Teil ergeben sich erheblich höhere Kosten in den (Ersatz-)Bussen als in den Zügen.
  • Der Güterverkehr in der gesamten Region wackelt massiv trotz erheblicher Transporte.
  • Es droht eine flächendeckende Stilllegung der Eisenbahn.
  • Der lange versprochene Ausbau nach Ungarn ist in weite Ferne gerückt – damit wird die Anbindung an den wichtigen Nord-Süd-Korridor (SETA), der durch Szombathely führt, verpasst.
  • Innerhalb des Burgenlandes findet eine skandalöse Umverteilung vom armen Mittel- und Südburgenland in den reichen Norden statt: Zwischen 2001 und 2011 wurden im Landesnorden 135 Mio. €, im Mittel- und Südburgenland allerdings nur 16 Mio. € in die Bahn investiert. Allein für den Neubau des Bahnhofes Neusiedl sind 16,9 Millionen € veranschlagt. Noch stärker ist die Schieflage bei den geplanten Investitionen bis 2017. Details zu diesen Zahlen finden Sie >>hier<<.

Foto: SPB

Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, fand eine dreitägige Konferenz statt. Österreichische und ungarische Verkehrsplaner, Infrastrukturexperten sowie namhafte Bahn- und Busbetreiber referierten über Personenmobilität und Güterverkehr und diskutierten eifrig mit dem Publikum. Die Teilnehmer waren nicht in allen Details einer Meinung. Einigkeit bestand jedoch bei der Frage, dass sich durch eine bessere Koordination mit den vorhandenen Finanzmitteln für den öffentlichen Verkehr mehr erreichen ließe als bisher. Insbesondere dürfe es zwischen Bahn und Bus kein Konkurrenzdenken geben. Das richtige Rezept laute vielmehr: Bereits vorhandene attraktive Bahntrassen für Personenverkehr und Güterverkehr nutzen; Linienbusse, Sammelbusse sowie Ruftaxis dort einsetzen, wo sie ihre Stärken optimal ausspielen können. Wichtig dabei sind eine gute Vernetzung aller öffentlichen Verkehrsmittel mit kurzen Umsteigewegen und das Anbieten eines für die Nutzer optimalen Taktes.

„Wichtig ist ein grenzüberschreitend abgestimmtes Modell zwischen der Steiermark, dem Burgenland, Niederösterreich und Ungarn. Eine klare Prioritätensetzung ist in diesem Bereich dringend notwendig“, betont der unabhängige Verkehrsplaner Herbert Mayer.

„Kooperation statt Konfrontation“ als Schlüssel zum Erfolg

Die Notwendigkeit einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Verkehrssystemen und Regionen betonte auch der Hauptredner der Veranstaltung, der ehemalige Bürgermeister von Naturns/Südtirol, Dr. Walter Weiss. Er hatte mit seiner Bürgerinitiative bereits vor 25 Jahren einen „staufreien Korridor vom Vinschgau in die Landeshauptstadt“ gefordert. Die dortige, totgesagte Regionalbahn wurde daraufhin nach einem zähen Kampf und 15 Jahren Dornröschenschlaf im Jahre 2005 erfolgreich reaktiviert. Sie bildet heute einen wichtigen Tourismusmagnet und befördert inzwischen jährlich über 2 Mio. Fahrgäste. Man erzielte Einigkeit, dass die Bahn für den Güterverkehr und die Wirtschaft in der Region unverzichtbar und ausbaufähig ist.

Unbegründete Vorbehalte gegen eine attraktive Regionalbahn hatte es seinerzeit im Vischgau ebenso gegeben, wie es sie heute in der Region Südostösterreich gibt. In seiner mitreißenden Rede brachte Dr. Weiss einige konkrete Beispiele:

 

  • „Bevor die Eisenbahn gekommen ist, haben sich die Leute gefürchtet. Eine Hotelbesitzerin hat gesagt: ‚Bürgermeister: Wenns’t die Bahn wieder fahren lässt, dann bring i di um!‘ Heute ist sie begeistertes Mitglied in unserem Verein ‚Freunde der Eisenbahn‘.“
  • „15 Jahre haben wir gekämpft, dass die Bahn wieder fährt. 3 Bürgermeister waren dafür und 10 Bürgermeister waren dagegen. Im Tourismus waren alle dagegen. Heute sind alle Bürgermeister dafür. Und der Tourismus kann sich nicht mehr vorstellen, auf die Bahn zu verzichten!“
  • „Redet’s net, setzt’s es um und ihr werdet’s sehen, dass ihr Erfolg habt.“, als einfacher Ratschlag an die Entscheidungsträger.

 

Steiermark als Vorbild

Bei der anschließenden Politikerrunde wurde deutlich, dass in der Steiermark die Abgeordneten der Region und der zuständige Landesrat in den wesentlichen Punkten an einem Strang ziehen: Die Bahn steht als wesentlicher Baustein des öffentlichen Verkehrs außer Streit. In Graz und Hartberg ist vernetztes Denken, sogar über die Ländergrenze hinweg, stärker ausgeprägt als das vernetzte Denken innerhalb des Burgenlandes.

Foto: SPB

Der Präsident der Generalversammlung des ungarischen Kommitats Vas betonte die Notwendigkeit von grenzüberschreitenden Verbindungen auch im öffentlichen Verkehr. In Ungarn werden Regionalbahnen, wie beispielsweise die Verbindung Köszeg und Szombathely, weiterhin betrieben und im Großraum Szombathely Überlegungen angestellt, den Verkehr auf der Schiene weiter zu attraktiveren.

„Die intensiven Diskussionen waren eine Initialzündung für weitere Treffen. Wir werden die wertvollen Fachbeiträge in den nächsten Wochen im Internet (Südburgenland Pro Bahn) zur Verfügung stellen und hoffen, dass auch die burgenländische Landesregierung endlich einen konstruktiven Dialog beginnt“, zog Christoph Wachholder von Südburgenland Pro Bahn ein Resümee.