ARGE Schöpfungsverantwortung

Klimawandel in der Stadt

Erhöhte Sterblichkeit durch städtische Wärmeinsel

Erhöhte Mortalität an Hitzetagen bei einer steigenden Anzahl eben dieser: Seit Jahren sind die zu erwartenden und bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels auf unsere Umwelt bekannt. Ein Thema, welches jedoch eher selten thematisiert wird, ist der Klimawandel in der Stadt. Durch den sogenannten Wärmeinseleffekt sind die Auswirkungen im urbanen Bereich im Gegensatz zum ländlichen Umfeld deutlich stärker spürbar. Menschliche Eingriffe wie Bodenversiegelung, Reduzierung von Vegetations- und Wasserflächen und die dichte Bebauung führen zu einer stärkeren Erwärmung der Stadt im Vergleich zu ihrem Umland. So kommt es, dass Städte in der Regel eine um 1 - 2 °C erhöhte Temperatur aufweisen. Durch die gespeicherte Energie in den Gebäuden kommt es dadurch nachts auch zu keiner ausreichenden Abkühlung mehr, was sich negativ auf den Schlaf und das Wohlbefinden der Menschen auswirkt.

 

Foto:ARGE SVA

Das Klima Wiens

 

Diese Effekte lassen sich auch in Wien beobachten: „An etwa 30 Tagen bleibt die Lufttemperatur bis Mitternacht bei über 20°C“, am Stadtrand ist dies nur halb so oft der Fall. Dafür verantwortlich ist allerdings nicht nur der urbane Wärmeinseleffekt, auch die Topographie Wiens hat hier einen wesentlichen Einfluss. Der Blühbeginn ist in der höher gelegenen Wienerwaldgegend um 35 Tage später als in der Inneren Stadt.

Doch nicht nur die Temperatur betreffend ist das Klima im Stadtgebiet Wiens sehr inhomogen, auch bezüglich der Niederschlagsverteilung ist dies der Fall. Der Wienerwald bietet Schutz gegen Niederschläge aus dem Westen. Das lässt sich auch an den Niederschlagswerten verfolgen. Während das Stadtzentrum 600 mm Jahresniederschlag aufweist, sind es bei der Vorortelinie bereits 700 und am äußersten, westlichen Stadtrand bereits bis zu 850 mm. 

Auch die Windverhältnisse betreffend gibt es erhebliche Abweichungen. Durch die Häuseranordnungen kommt es zu Kanalisationseffekten. Stärkere Windgeschwindigkeiten treten auf breiten Straßen und in der Mitte von Plätzen auf. Interessant ist aber auch der Effekt, den Bäume auf die Windgeschwindigkeiten haben. Diese werden um 20 - 30 % reduziert, wenn die Bäume belaubt sind, aber auch unbelaubte Bäume haben einen erheblichen Einfluss auf die lokalen Windgeschwindigkeiten. Beispielsweise wurde am Gürtel bei einem Sturmereignis auf einem baumfreien Abschnitt eine Windgeschwindigkeit von 100 km/h gemessen, dort, wo es Bäume gab, wurden nur 45 km/h aufgezeichnet.

 

Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschliche gesundheit

 

Die Mortalität erhöht sich, wenn es eine starke Temperaturzunahme von einem auf den anderen Tag gibt. Im Extremsommer 2003 war ein Anstieg der Sterblichkeit um etwa 10 % zu verzeichnen. Deutlich zu erkennen ist der Einfluss von Hitzewellen. Ein Vergleich der Bezirke zeigt, dass dicht bebaute Bezirke wie zum Beispiel der 1., 5., 6., oder 7. Bezirk stärker von einer Hitzewelle betroffen sind als locker verbaute Bezirke wie der 13., 19., oder 23. Bezirk. Die Anzahl der Hitzetage wird laut Prognosen in Wien deutlich ansteigen. In der Periode 1990 – 2004 wurden 14 solcher Tage gezählt. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll diese Zahl kontinuierlich auf 40 klettern. Da die Mortalität an solchen Tagen um 10 % höher ist, werden die durch Hitzewellen hervorgerufenen Todesfälle in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen.

 

Foto: ARGE SVA

Kritik an den Anpassungsmaßnahmen

 

Die Stadt Wien versucht bereits seit einiger Zeit durch die Entwicklung angepasster Strategien die aus dem Klimawandel resultierenden Folgen in den Griff zu bekommen. Bereits 1999 wurde ein erstes Programm zum Klimaschutz erstellt (KLiP Wien), welches bis 2010 Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emissionen enthielt. Diese Ziele konnten deutlich übertroffen werden, so dass ein neues Klimaschutzprogramm (KLiP II) ausgearbeitet und 2009 beschlossen wurde, welches eine Fortsetzung bis 2020 vorsieht. In diesem KLiP II sind ebenso zahlreiche Maßnahmen zur Emissionsvermeidung, aber auch Überlegungen zu möglichen Anpassungsstrategien an die Folgen des Klimawandels enthalten.

Dennoch beschränken sich die Maßnahmen auf energie- und verkehrspolitische Projekte. Der tatsächlichen Reduzierung der Hitzebelastung der Menschen wird meist zu wenig Beachtung geschenkt. Zwar hat Wien heute bereits einen sehr hohen Anteil an Grünflächen, die dicht bebaute Innenstadt bräuchte aber sicher mehr Bäume und Begrünungsmaßnahmen. Nach wie vor sind wunderschöne Plätze wie etwa der Neue Markt von Autos zugeparkt und bis auf den letzten Quadratmeter zubetoniert. Ganze Straßenzüge sind oftmals frei von jeglichem Bewuchs, aber nicht etwa, weil der Platz fehlen würde. Viel mehr traut man sich nicht, einige wenige Parkplätze zugunsten von Bauminseln zu opfern, die nicht nur kühlend, sondern auch mildernd gegenüber Stürmen wirken würden. Quasi als Nebeneffekt könnte die Wohnqualität einer ganzen Stadt steigen.

 

Hundertwasserhaus; Foto: Wikipedia

Folgende Maßnahmen wären weiter zu forcieren:

  • Schaffung von kleinen, offenen Wasserflächen: Springbrunnen oder Wasserzerstäuber bewirken lokal eine Abkühlung der Umgebungstemperatur und tragen zum Wohlbefinden der Menschen bei. 
  • Begrünungsmaßnahmen im Straßenbau: Die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern in Straßenzügen hat einen positiven Effekt auf das Mikroklima. Durch den Schattenwurf und Verdunstung der Bäume kommt es zu einer Kühlung der Umgebung.
  • Dachbegrünung: Durch den Platzmangel entstehen innerstädtisch kaum  neue Parks oder andere Grünflachen, hier sind Dach und Fassadenbegrünungen ein guter Ersatz beziehungsweise eine wertvolle Ergänzung. Begrünte Dächer und Fassaden reinigen die Luft und haben einen kühlenden Effekt, bis zu 90 % des Regenwassers werden zurückgehalten und gespeichert. 
  • Fassadenbegrünung: Vorteile einer Fassadenbegrünung sind die Abkühlung der Umgebungstemperatur im Sommer und im Winter die Funktion als zusätzliche Dämmschicht. Eine ganzjährige Begrünung ist sinnvoll, da sie langfristig die Betriebskosten sinken lässt. Zusätzlich filtern die Pflanzen den Feinstaub aus der Luft und tragen so zur Verbesserung der lufthygienischen Situation in Städten bei. Bei schmalen Gassen oder Straßen ohne Grünstreifen ist die Fassadenbegrünung oftmals die einzig wirkungsvolle Methode, um das Mikroklima der jeweiligen Umgebung zu verbessern. 

Million Trees New York City Erfolgreiche Kampagne: Erwartungen wurden übertroffen

 

Hierbei handelt es sich um eine Kampagne der Stadt New York und der Nonprofit-Organisation New York Restoration Project (NYRP), mit dem Ziel 1 Million Bäume in der Stadt zu pflanzen. Dadurch kann die Anzahl an Bäumen in nur wenigen Jahren um 20 % erhöht werden! Die Stadt soll somit grüner und lebenswerter gemacht werden. Die Pflanzungen finden sowohl in Parks als auch in den Straßen statt, wo sie das Mikroklima positiv beeinflussen sollen. Die so bezeichneten „Stadtbäume“ sollen helfen, die Temperaturen zu senken, die Auswirkungen von Sturmfluten zu mindern und die Ästhetik der Wohngegenden und Arbeitsplätze zu heben. Das Department of Parks & Recreation der Stadt New York wurde beauftragt, bereits bestehende Parks aufzuforsten und in den Straßen Bäume zu pflanzen, also auf Gehsteigen und anderen Freiflächen der Verkehrswege. Das Ziel der 1 Million zusätzlichen Bäume wird bereits um zwei Jahre früher als erwartet im Jahr 2015 vollendet sein.

Die Stadt New York steht voll und ganz hinter diesem Projekt und propagiert die Botschaft „Bäume gehören zum New York des Jahres 2030“. Die Menschen sollen für eine grünere Stadt sensibilisiert werden. Das Programm beinhaltet auch Patenschaften und Freiwilligenarbeit. Dadurch konnten insgesamt seit Projektstart 12.000 Freiwillige gewonnen und über 5.000 Patenschaften abgeschlossen werden. Durch spezielle Veranstaltungen, bei denen Bäume unter professioneller Begleitung gepflanzt werden, sollen die Bürger der Stadt eingebunden werden. Die Internetplattform des Projektes beinhaltet eine sich ständig aktualisierende Übersicht über die bereits gepflanzten Bäume, aktuell sind das 870.129. Neben allgemeinen Informationen und Übersichtskarten über bereits begrünte Straßenzüge kann man auch mit der Stadt in Kontakt treten, um beschädigte oder abgestorbene Bäume sowie Potentialflächen für solche zu melden. Dadurch kann man online quasi einen Baum in seiner Straße beantragen.

Link zum Projekt: http://www.milliontreesnyc.org/html/home/home.shtml