ARGE Schöpfungsverantwortung

„Pacem in terris“ über den Frieden auf Erden

Mit der Enzyklika "Pacem in Terris", greift Papst Johannes XXIII, mitten im Kalten Krieg, am 1. April 1963, den Themenkreis "Über den Frieden unter allen Völkern in Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit" auf. Die weltweit zunehmenden Kriegshandlungen veranlassten seine Nachfolger Papst Paul VI. und Johannes Paul II., für den Beginn eines jeden Kalenderjahres eine aktuelle Friedensbotschaft an die Weltgemeinschaft zu richten.

 

Im Spätherbst 1967 proklamierte Papst Paul VI. angesichts der weltweit schwelenden Krisen und des „Sechstagekriegs“ im Nahen Osten, den 1. Jänner zum „Tag des Friedens“, getragen von dem Wunsch, das Kalenderjahr im Gedenken an den Frieden zu beginnen. Diese Besinnung unterstützte Paul VI. mit 11 Botschaften, die er beginnend mit 1968 bis zum Ende seiner Amtszeit aus Anlass des Weltfriedenstags veröffentlichte.

 

Papst Johannes Paul II. übernahm 1979 diese Institution und führte sie fort, wobei seine erste Weltfriedensbotschaft das noch von Paul VI. vorgegebene Thema der Friedenserziehung behandelte, ein Thema, das er 2004 wieder aufnahm und das als ein roter Faden fast alle seine Botschaften durchzieht. Seither äußerte sich Johannes Paul II. in 25 Weltfriedensbotschaften zu „verschiedenen Aspekten des Prismas Frieden“ wie er selbst schreibt, von grundsätzlichen Überlegungen zum Wesen des Friedens, bis hin zu sehr konkreten Fragen.

 

In engem, weil ursächlichen Zusammenhang damit stehen auch seine päpstlichen Aussagen zu Umwelt- und Schöpfungsfragen, z. B. 1990 am Weltfriedenstag:

Die Ökologische Krise: ein sittliches Problem (in Auszügen)

„Man fragt sich darum mit Sorge, ob es für die hervorgerufenen Schäden [Anm: des Raubbaus der Ressourcen der Erde, der auch immer mehr militärische Konflikte nach sich zieht] noch eine Abhilfe geben kann. Es ist offensichtlich, dass eine geeignete Lösung nicht einfach in einer besseren Verwaltung oder in einem weniger irrationalen Gebrauch der Ressourcen der Erde bestehen kann.

Auch wenn man den praktischen Nutzen solcher Maßnahmen anerkennt, scheint es doch notwendig, zu den Ursachen vorzudringen und sich mit der tiefen moralischen Krise insgesamt auseinanderzusetzen, von der die Verschlechterung der Umwelt einer der besorgniserregendsten Aspekte ist

Kein Eingriff in einen Bereich des Ökosystems kann davon absehen, seine Folgen in anderen Bereichen und allgemein für das Wohl künftiger Generationen mit zu bedenken.

Oft gewinnen Produktionsgründe die Oberhand über die Würde des Arbeiters, und wissenschaftliche Interessen kommen vor dem Wohl der einzelnen Personen, wenn nicht sogar vor dem ganzer Bevölkerungsgruppen. In solchen Fällen ist die Verschmutzung oder die Zerstörung der Umwelt Frucht einer verkürzten und unnatürlichen Sicht, die bisweilen eine echte und direkte Missachtung des Menschen darstellt.

Theologie, Philosophie und Wissenschaft stimmen in der Sicht eines harmonischen Universums überein, d. h. in der Vorstellung eines wirklichen „Kosmos“, ausgestattet mit einer eigenen Integrität sowie einem inneren und dynamischen Gleichgewicht.

Diese Ordnung gilt es zu respektieren: die Menschheit ist berufen, diese Ordnung mit kluger Umsicht zu erforschen, zu entdecken und sie dann so zu gebrauchen, dass ihre Integrität erhalten bleibt.“

„Die Erde ist ein gemeinsames Erbe, deren Früchte allen zugute kommen sollen.

Es ist nämlich ungerecht, dass einige wenige Privilegierte fortfahren, überflüssige Güter aufzuhäufen, indem sie vorhandene Ressourcen verschwenden, wenn gleichzeitig unzählige Menschen im Elend oder auf der Ebene des Existenzminimums leben.

Es ist die dramatische Dimension des Ökologischen Problems selbst, die uns lehrt, wie sehr die Gier und der Egoismus, sowohl in ihrer individuellen wie kollektiven Ausprägung, der Ordnung des Geschaffenen entgegengesetzt sind, in die auch die gegenseitige Abhängigkeit voneinander eingeschrieben ist.

Die ökologische Krise macht die dringende moralische Notwendigkeit einer neuen Solidarität deutlich, besonders zwischen den Entwicklungsländern und den hochindustrialisierten Ländern.“

 

Wie sehr die geistigen Grundhaltungen im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung (Konziliarer Prozess, 1983) einander gleichen, zeigen folgende Überlegungen welche die AG Friedensforschung (http://www.ag-friedensforschung.de/) 2002 im Rahmen eines Aufrufes veröffentlichte: Auszug


„Jeder Krieg ist eine Niederlage für das gesamte Menschengeschlecht"

Jeder Krieg auf diesem Planeten ist eine Niederlage für das gesamte Menschengeschlecht, und jeder Einsatz  von Massenvernichtungswaffen ist ein Verbrechen vor Gott. Vor 2500 Jahren gelangte in Indien Gautama Siddharta, der als Buddha verehrt wird, zu einer inneren Gewaltfreiheit, die jenseits der Ich-Angst eine neue Weise des Menschseins eröffnete. Der Weg des Buddha prägte ganze Kulturen. Die so genannte "christliche Welt" beruft sich auf einen anderen Namen, mit dem sie für die Menschheit den Weg der Gewaltfreiheit verbindet: Vor 2000 Jahren zeigte Jesus von Nazareth, wie Menschen durch innere Versöhnung ihren Frieden finden und dann auf Gewalttätigkeit gegenüber ihrer Mitwelt verzichten können. Das Modell "Krieg" - sei es strukturell oder als Politik einzelner Persönlichkeiten - ist demgegenüber Zeichen einer barbarischen Kulturstufe. Es wirft uns in der geistig-seelischen Entwicklung der Menschheit auf einen Punkt zurück, der in Einzelnen grundsätzlich schon vor mehreren tausend Jahren überwunden worden ist. Wir versagen diesem überholten Modell mit all seinen Gesichtern und Mechanismen unsere Gefolgschaft. Wir freuen uns über alle Kirchenleitungen, die uns darin ein Vorbild geben.

Militärische Maßnahmen zum Schutz von Menschen sind nach breitem ökumenischen Konsens der Christenheit an strenge "Kriterien" gebunden und bedürfen als "letztes mögliches Mittel" aus unserer Sicht einer radikal kritischen Überprüfung: Welche militärischen, ökonomischen bzw. politischen Doktrinen und Interessen stehen im Hintergrund? Wie stichhaltig sind Behauptungen, bestimmte militärische Maßnahmen dienten allein humanitären Zielen und wahrten mit Blick auf zivile Opfer die Verhältnismäßigkeit? Wie zuverlässig und wahrheitsgetreu ist die Information der Öffentlichkeit?

Selbstbewusst wollen wir Politik und politische Akteure am Maßstab unseres Bekenntnisses zu Jesus Christus messen. Sein Evangelium des Friedens ist kein sentimentaler Traum oder ein naives "Gutmenschentum". Das Evangelium ist vielmehr tiefer Ausdruck einer befreiten Vernunft, die die Logik der Angst durchschaut und überwindet. Die uralten Mechanismen von Gewalt und Gegengewalt, von Konkurrenz und Rache sind im Evangelium als hoffnungslos veraltet entlarvt - und das gilt uneingeschränkt auch mit Blick auf die reale Politik der Völker und Machthaber. Gegenüber der Hässlichkeit und Kümmerlichkeit der Gewalttätigen eröffnet das Evangelium einen Weg zur Schönheit des Menschen. Die Friedensratschläge Jesu sind realpolitisch kompetenter als die gefährliche Logik von Kriegstreibern, Feindbildpropagandisten und Vergeltungspredigern. Die Beurteilung der Dynamik von Gewaltspiralen ist für uns eine Frage der Vernunft und kein irrationaler Glaubensatz. Militärische Gewaltmaßnahmen mit unschuldigen Opfern werden den Terror in der Welt nicht überwinden, sondern vermehren.

Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass die innere Überwindung von Angst den Einzelnen zum Frieden befähigt und ihn von Geltungssucht, Besitzgier und Machthunger befreit. Die Unerlöstheit der Menschheit verfestigt sich allerdings in ungerechten und gewalttätigen Strukturen, die den Krieg im Kleinen wie im Großen hervorbringen. Wir setzen gegen die irrationale Logik der Gewaltausübung zwischen Menschen, Gruppen und Staaten die Logik der Versöhnung und der gegenseitigen Akzeptanz, ohne die es keinen Frieden in der Völkerwelt geben kann.“

 

RZ, IS im April 2014

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Quellen:

Stefan Zotti, Leopold Neuhold, Pacem in Terris – eine  bleibende Aufgabe, Gedanken zur Botschaft Papst Johannes XXIII.

AG Friedensforschung (http://www.ag-friedensforschung.de/)