ARGE Schöpfungsverantwortung

Die göttlichen Verantwortungen


Hier gilt es zu zeigen, dass Schöpfungsverantwortung, selbst „Umweltschutz“, keine Marotte von Gutmenschen ist, sondern göttlichen Ursprungs.


Lohnt sich der Einsatz? - Androklus und der Löwe


In George Bernard Shaws Schauspiel „Androklus und der Löwe“ (1912) sinniert Lavinia, die Wortführerin der bereits im römischen Kolosseum auf ihre Ermordung wartenden Christen:

 

„Was er [Spintho] meinen Glauben genannt haben würde, ist von Minute zu Minute dahingeschwunden, als ich hier saß, während der Tod näher und näher kam, während die Realität realer und realer wurde, während Märchen und Träume ins Nichts zerrannen.“

Daraufhin fragt sie der römische Hauptmann, der selber jegliche Religion für einen Wahn hält: „Dann stirbst du also für nichts?“

Lavinia: „Ja, das ist das Wunderbare ...“

Die christlichen Märtyrer, sterbend für nichts? Und wir christlichen Umweltschützer, uns engagierend für nichts? Was ist der Grund, warum es sich lohnt zu kämpfen für eine intakte Lebenswelt, für die nachfolgende Generation, für artgerechte Tierhaltung, für erneuerbare Energieträger, die Sauberhaltung des Wassers und der Luft, Aulandschaften und Gletscherregionen, biologischen Landbau; anzutreten gegen die Öl- und Genmultis, gegen die Atomlobby, gegen die Gleichgültigkeit vieler Politiker und die resignative Haltung der Mitmenschen?

Lavinia fährt fort: „Ja, das ist das Wunderbare. Seit all die Märchen und Träume verflogen sind, habe ich keine Zweifel mehr daran, dass ich für etwas Größeres sterben muss als für Träume und Märchen.“

Und sie nennt es Gott.

Auch der Atheist G. B. Shaw anerkennt, dass es etwas gibt

„was über die Dränge, Instinkte und Interessen des Überlebenskampfes hinausgeht. Die Christen haben es gehabt. Jeder, der ein ganzer Mensch sein will, braucht es. Auch wenn er gar kein Christ sein will. Shaw nennt es die >divine responsibilities<, die >göttlichen Verantwortungen< des Menschen im Umgang mit sich selber, mit anderen und - >Androklus und der Löwe< - mit aller Kreatur.“1


Da kommt Gott ins Spiel!


Wer in seinem Leben Gott erfahren hat, weiß um dessen Anspruch an uns Menschen und daher selbstverständlich um die „göttlichen Verantwortungen“. Die Bibel als literarischer Niederschlag von mehr als 1000 Jahren er-lebter Geschichte mit Gott ist voll von Verweisen darauf. Man nehme nur die eindringlichen Appelle der Propheten im Hinblick auf die Bekehrung des eigenen Herzens, auf die Hinwendung zu Gott und auf die Zuwendung zu den Mitmenschen.

Auch die Aussagen über die „Gottesebenbildlichkeit“ des Menschen (Gen 1,27) und der so genannte „Schöpfungsauftrag“ zielen in dieselbe Richtung. Der biblische Autor weiß den Menschen als Ebenbild eines Gottes geschaffen, den er Elohim nennt, also als einen Gott erfahren hat, der retterisch wirkt für die ganze Welt. Gerade als Ebenbild dieses Gottes soll der Mensch die Schöpfung verwalten: retterisch für die ganze Welt; und um die Rettung der Schöpfung geht es in dieser geschichtlichen Stunde!

Doch auch Menschen, die Gott nicht auf eine der Weisen erfahren haben, wie sie in den großen Religionen ihren Niederschlag findet, die sich außerstande sehen ihn beim Namen zu nennen, ja ihn vielleicht sogar leugnen, haben oft diese namenlose (a-nonyme) Erfahrung von ihm. Und auch sie wissen (mag man sagen „instinktiv“ oder „geisterfüllt“) um diese „göttlichen Verantwortungen“. Umweltschützer gibt es in vielen Lagern, die kirchlichen bezeichnen ihre Tätigkeit als Auftrag zur Schöpfungsverantwortung, viele andere als moralische Pflicht zum Einsatz für die geschändete Kreatur oder einfach als (Mit-)menschlichkeit.

Was uns alle verbindet ist das gemeinsame Ziel: eine schöne und lebenswerte Welt so wie sie ist zu erhalten und zu vervollkommnen; aber auch der gemeinsame Grund: das tiefe selbstevidente Wissen um die Verantwortlichkeit füreinander. Darum arbeiten wir auch alle miteinander, die Christen ohngeachtet der ihnen zugemuteten angeblichen „ökumenischen Barrieren“ zusammen mit Andersgläubigen und Agnostikern. Darin kommt Gott ins Spiel – wir Christen wissen das zu deuten.

Lavinia uns Androklus konnten mit dieser Erfahrung getrost dem Tod ins Auge sehen, uns gibt sie den Sinn und die Kraft, uns unserer Lebensaufgabe zu stellen.

1 Zander Hans C.: Joachim, mir graut's vor dir! Von der unwiderstehlichen Komik der Religion, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, S. 209

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