ARGE Schöpfungsverantwortung

Das Evangelium von den Völkerhirten


In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, der "Weihnacht", wird in den Westkirchen das Evangelium von der Auferstehung Jesu nach dem Lukasevangelium, Kapitel 2 verkündet.

Der gesamte Text lässt sich literaturwissenschaftlich in fünf Schichten unterteilen, die Kernschicht bildet sie sogenannte "Hirtenerzählung". Sie wurde geformt, als das antike Rom am Höhepunkt seiner Staatsmacht war und – wie bei allen altorientalischen Großreichen zuvor, deren historisches Erbe Rom ja angetreten hatte – sich bereits der Todesgeruch des anstehenden Untergangs breit machte. Kaiser Augustus, der "gute Hirte", hatte kein Rezept gegen den Völkertod – wie sehr gleichen ihm heute die allermeisten der amtierenden Regierungschefs!

Auf diese bedrückende Situation ließ sich ein einfacher Mensch aus Nazaret ein: Jesus.



Vorweg: Geburt des Messias meint natürlich nicht die Geburt eines Babys aus dem Leib der Mutter, sondern seine Inthronisation zum Messias nach seinem (physischen wie gesellschaftlichen) Tod, die "Neugeburt (traditionell "Zeugung") aus Gott".1 Dies wird traditionsgeschichtlich als "Auferstehung" bezeichnet und kultisch (Tempelkult) begangen wird das "am dritten Tag".


Lk 2,8: Und Hirten waren in der Gegend, derselben, auf freiem Feld lebend und wachend Wachen in der Nacht über ihre Herde. 2 Völkerhirten, also Könige, Fürsten, Kanzler, Präsidenten, wachen über ihre Völker (Herde) auf dem Feld (in ihrem politischen Einflussbereich) gegen die Nacht, die Todesbedrohung. Das politische Gebilde "Staat" wurde vor Jahrtausenden bereits gegründet als Unternehmen gegen den Tod, als die Populationsdichte für die traditionellen Stammeskulturen zu hoch geworden war. Dazu wurde gewirtschaftet, wurde die Güterproduktion in Parallelisierung der Arbeitskräfte maximiert, wurde medizinisch geforscht und Wissenschaften aller Art betrieben – doch gegen den Tod wurde nie ein Kraut gefunden. An dieser Ausweglosigkeit, empfunden als Sinnlehre, gingen reihenweise alle auch noch so prosperierenden Weltreiche zugrunde.

Lk 2,9: Und der Engel des Herrn erstand auf sie zu und Erscheinung des Herrn umleuchtete sie, und sie waren in Furcht, eines Großen. Engel/Boten Gottes gibt es unzählige (dinghaft, menschlich), aber DER Engel des Herrn, DER Bote Gottes ist nur einer: der Messias. Jesus, hier als Christus, umleuchtet die Hirten (Politiker) als Glanz Gottes. Und die Ehrfurcht "eines Großen" reißt die anderen in die Ehrfurcht hinein.

Lk 2,10 f: Und es sprach zu ihnen der Engel: Fürchtet nicht! Denn siehe, ich verkünde euch große Freude, welche sein wird allem Volk: Denn geboren ward euch heute der Befreier, welcher ist der Gesalbte, der Herr. Nicht vor dem Boten sollen die Angesprochen ehrfürchten, sondern vor dem, den er verkörpert: vor Gott. Die "Verkündigung der Freude" im politischen Kontext meint stets die Ankündigung der Geburt des Thronfolgers, diese garantiert politische Stabilität.


Die Völkerhirten haben im Namen aller ihnen Anvertrauten Ehrfurcht und gewinnen diese in die Ehrfurchtshaltung hinein – im konkreten Staats- und Wirtschaftsbetrieb! Welch eine Haltung, welch ein Ver-halten im Umgang mit den Schätzen der Erde, mit den Pflanzen und Tieren, mit den Arbeitern und Angestellten im Zuge des Wirtschaftens! Den Menschen, Tieren, dem Boden, Wasser, der Luft, allen Dingen wird die ihnen ureigene Ehre zugestanden und jede/jeder achtet, diese nicht zu verletzen. Kein Raubbau, keine Massentierhaltung, keine Sklaverei – ja, so lässt es sich LEBEN, auch durch den (physischen) Tod hindurch.

Das ist die Botschaft der Bibel bereits im AT, noch einmal auf den Punkt gebracht und mit seinem Leben bezeugt von Jesus von Nazareth. Dafür wurde er verfolgt und ermordet, wie auch viele andere Propheten heute, die sich für die Rechte (Ehre) der Erde und ihrer Bewohner einsetzen. Doch Gott hat diesen Jesus bestätigt, indem er ihn in seine Rolle, aus der er durch seinen Tod herausgefallen war, wieder einsetzte. Die biblische Terminologie spricht hierbei von der Zeugung/Geburt des Messias aus Gott zum "Sohn" (Repräsentanten) Gottes. Das ist die Osterbotschaft des "Weihnachtsevangeliums".


Uns Christen, die wir "im Namen des Sohnes" getauft sind, d. h. solche sind, die das Sterben bereits vorweggenommen haben und mit ihm auferstanden sind – "den Menschen seiner Gnade" 3 – ist es aufgetragen "auf Erden Friede unter Menschen"4 zu wirken. Erde – hâ-'âräz – biblisch bezeichnet den Staat!5 Mittels der Staatsgeschäfte, mittels der Politik soll umfassender Friede, Shalom, geschaffen werden.

Ja, die biblische Botschaft bekräftigt es: Die Politiker sind befähigt, den Frieden zu bringen! Möglich ist es – aber nur in Ehrfurcht!

> zurück zum Newsletter Dezember 2019

> zur Website der ARGE Schöpfungsverantwortung

 

1Vgl.: Wenn wir sagen, unser Bundespräsident wurde am 18.01.1944 geboren, so stimmt das zwar sprachlich, aber an diesem Tag wurde faktisch kein "Bundespräsident geboren", sondern ein Baby namens Alexander.

2Wissenschafltiche Übersetzung von † Prof. Hermann Seifermann, Eichstätt (DE)

3diesmal Einheitsübersetzung

4Lk 2,14, Übersetzung Seifermann

5Vgl. Gen 1,1