ARGE Schöpfungsverantwortung

4. Abend - Inhaltsübersicht

Ziel 17: Vernetzung zur Erreichung der Ziele

Dienstag, 04.06.2019: 

Lebensstil stoppt Klimawandel - Imperiale Lebensweise und transnationale Solidarität

Heute leben die meisten Menschen in den westlichen Industrienationen, sowie eine wachsende Zahl an Menschen in den Schwellenländern auf Kosten des größten Teils der Menschheit und der Umwelt. Der Vortrag widmet sich der Frage, wie diese imperiale Lebensweise überwunden werden kann. Dafür werden soziale Bewegungen vorgestellt, die für Umwelt- und Klimagerechtigkeit kämpfen - sei es gegen die Verstromung von Kohle, gegen den Ausbau von Flughäfen oder Autobahnen, für günstige bzw. kostenlose öffentliche Verkehrsmittel oder für eine Ökologisierung und Regionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion.

> Einladung [PDF]






Fotos: ARGE SVA.

Der vierte bestens besuchte Abend beschäftigte mit der Frage wie wir unsere hegemoniale Lebensweise überwinden können. Zu Beginn stand eine Definition was imperiale Lebensweise bedeutet (Ausbeutung von Menschen und Ressourcen durch Wenige) und welche Probleme wie beispielsweise strukturelle Fluchursachen sie mit sich bringt. Für Behr ist dies ein Strukturmerkmal des Kapitalismus, das keine Rücksicht auf Menschenrechte und das Klima nimmt. Die imperiale Lebensweise ist eng verknüpft mit unserem Konsumverhalten.

Als eine Erscheinungsform der imperialen Lebensweise skizzierte Behr die Ausbeutung migrantischer Arbeitskräfte (die meist aus Afrika und Osteuropa stammen) in der Landwirtschaft in Süd-Europa (Produktion von Tomaten, Melanzani etc.), die sich über die Wertschöpfungskette der Lebensmittel bis hier zu uns in den Supermärkten auswirkt und besprach welche Synergien zwischen Gewerkschaften, der Zivilgesellschaft und Umweltorganisationen gefunden werden können um das System durchbrechen zu können.

Behr appellierte in Richtung Gewerkschaften statt Lohnerhöhungen zu fordern besser auf Arbeitszeitverkürzungen zu drängen. Eine Veränderung kann von Basisbewegungen nach oben gelingen. Beispiele sind die Aufwertung von nicht-kommerziellen Formen der Versorgung, eine Verkützung der Produktionsketten, die Forcierung ethischer Geldanlagen und Divest-Kampagnen, die die fossilen Energiereserven unter die Kontrolle der Allgemeinheit bringen wollen. Behr berichetete von seinen Aktivitäten zur Förderung der lokalen bäuerlichen Landwirtschaft in Afrika und Bewegungen für Ernährungssouverinität, die durch unser Subventionssystem in Europa in Richtung großer Konzerne von einer weiteren Zerstörung bedroht ist.

Behr: "Imperiale Lebensweise ist angebotsinduziert." - Es sind nicht Konsumenten, die das ganze Jahr nach bestimmten Obstsorten verlangen oder Flugreisen unternehmen wollen, sondern es ist das Wachstums- und Profit-orientierte System von Großunternehmen, das mit einer enormen Marktmacht ausgestattet ist, das diesen Lebensstil mit gezielten Maßnahmen wie Werbung zur Verbreitung ihrer Produkte, gezielt forciert.

Die anschließende lebhafte und offene Diskussion war sehr ermutigend

Zuerst wurde vom Publikum darauf hingewiesen, das leicht Umsetzbare und Effektive (wie Mobilität oder Fleischkonsum), das dem Klimawandel Einhalt gebietet, zuerst zu machen. Ein Diskussionsteilnehmer skizzierte einen Weg wie Andere überzeugt werden können und unser Wirkungskreis vergrößert werden kann mit folgender vierstufiger Kette: Komplexität (die Komplexität des Systems analysieren und erkennen) - Kommunikation über soziale Medien etc. (die Botschaften verbreiten) - Bewusstsein bei Anderen schaffen - Handeln!
Weiters wies eine Diskussionsteilnehmerin darauf hin, dass es möglich sei mit unerhört wenig ein gutes Leben zu führen. Menschen die sehr wenig haben, aber dennoch ein erfülltes Leben führen, stehen derzeit noch im abseits.

Die multiple Krise, in der wir uns derzeit befinden, ist nur durch einen Mehrfahransatz lösbar. Aus Kreativität entsteht Macht. 

> Einleitungs-Präsentation ARGE [PDF - 0,7 MB]

> Impressionen aus dem Vortrag von Alexander Behr [PDF - 11,2 MB]

Alexander Behr. Foto: privat

Referent: Dr. Alexander Behr, Politikwissenschafter

Dr. Alexander Behr, geb. 1979, studierte an der Universität für Bodenkultur Wien sowie an der Universität Wien, ist Politikwissenschafter, Übersetzer, Journalist und Universitätslektor. Seine Dissertation verfasste er bei Ulrich Brand zum Thema: "Landwirtschaft - Migration - Supermärkte. Ausbeutung und Widerstand entlang der Wertschöpfungskette von Obst und Gemüse". Neben der Lehrtätigkeit an Universitäten, an Schulen und bei Gewerkschaften ist er Aktivist im Netzwerk Afrique Europe Interact. Er gestaltet regelmäßig Radiobeiträge für Ö1 (Journal Panorama, Europajournal) und schreibt für ORF.at, ND, Taz, der Standard und andere. Arbeitsschwerpunkte: Imperiale Lebensweise, Nord-Süd-Verhältnisse, Flucht und Migration, Rechte von migrantischen Landarbeiter_innen in der industriellen Landwirtschaft. Zuletzt erschienen: "Mein Weg vom Kongo nach Europa" (Emmanuel Mbolela, Übersetzung und Herausgabe auf deutsch, Mandelbaum-Verlag).

 

Ablauf: Vortrag mit anschließender Diskussion
Wann:
Dienstag, 04.06.2019 um 18:30 Uhr (bis etwa 20:30 Uhr)

Wo: Don-Bosco-Haus, Sankt-Veit-Gasse 25, 1130 Wien, Raum T1 - Laura Vicuna
im Anschluss Bio-Buffet

> zurück zur Übersicht