ARGE Schöpfungsverantwortung

 „die 10 Gebote“

von Hellmut Santer Superintendent i. R.

Prolog

Auf die Frage, was das Christentum sei, hat ein Bub geantwortet: „Christentum ist das, was man nicht darf.“

„Du sollst … Du sollst nicht…!“, so fangen die Zehn Gebote an. Das klingt nach Einengung meines Lebens, nach Beschränkung meiner Freiheit. Wie soll ich unbeschwert und glücklich sein können, wenn ich womöglich immer ein schlechtes Gewissen haben muss.

Die Zehn Gebote scheinen im Laufe der Zeit zur großen Bedrohung unseres Glücks geworden sein. Genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich sein wollen, nämlich Hilfen zum Glück und zur Entfaltung des Lebens.

Gott hat das Leben geschaffen. Er will es bewahren.

Wir wollen „etwas“ haben vom Leben. Gott will uns nicht nur etwas vom Leben schenken, sondern das Leben in seiner ganzen Fülle. Er will, dass uns das Leben „glückt“ – jedem persönlich und zugleich der Gemeinschaft der Völker und der Welt.

Und diese Gemeinschaft ist mitsamt der ganzen Schöpfung heute bedrohter denn je. Unsere Welt ist in eine Sackgasse geraten.

Bei dem Gebot „Du sollst nicht stehlen“, denkt man zunächst an die Delikte des Diebstahls, mit denen wir alltäglich zu tun haben, wobei Diebstahl und Mord in grausame Beziehung treten können. Man denkt vielleicht auch noch an die kleineren und größeren Unehrlichkeiten auf Kosten anderer oder auch auf Kosten unseres Gemeinwesens bis hin zu Korruptionsaffären, Steuerhinterziehungen und Versicherungsbetrug. Heute aber bekommt diese „Weisung zum Leben“ noch eine ganz neue Dimension.  Wir haben dabei auch daran zu denken, wie erbarmungslos wir etwa den Boden ausbeuten, die Ressourcen unserer Erde aufbrauchen, die Wälder abholzen, die Luft verseuchen – alles, was wir bezeichnenderweise unter „Raubbau“ zusammenfassen. Wir rauben und plündern unseren eigenen Lebensraum und nehmen damit auch nachkommenden Generationen die Lebensmöglichkeit.

Der weltweite Flüchtlingsstrom ist ein Hinweis darauf, dass Menschen ihres ureigensten Rechts auf Heimat beraubt werden. Und schuldig werden dabei nicht nur die, welche Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, sondern auch die, welche sie nicht in ihr Land aufnehmen. Unzählige werden ihrer „Menschenrechte“ beraubt und der Menschenwürde. In vielen Ländern werden Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung ihrer Freiheit beraubt.

Das tägliche Brot – Endzeitwaffen

Und wird nicht Millionen Menschen das tägliche Brot geraubt, weil das Geld für Rüstungsausgaben verbraucht wird, mit denen man vielleicht einmal dem Rest der Menschheit das Leben rauben wird?

Der „Rüstungswettlauf ist eine Form von internationaler Kriminalität. Auch wenn die Waffen nicht eingesetzt werden, töten sie allein durch ihren Kostenaufwand die Notleidenden der Welt, die man verhungern lässt. Das ist kollektiver Wahnsinn.“ (Phil Bosmans)

Die reichen Industrienationen leben weiterhin auch auf Kosten der Länder der Dritten Welt, denen für ihre Waren und für ihre Arbeit viel zu geringe Preise bezahlt werden. Multinationale Konzerne und weltweite Handelsketten drücken in den Erzeugerländern Löhne und Preise unter die Armutsgrenze. Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer.

Gott schützt mit diesem Gebot das Eigentum. Aber Eigentum in der Bibel ist etwas anderes, als wir unter „Privateigentum“ verstehen. „Die Erde ist des Herrn, und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen“, heißt es im Psalm (24.1). Gott bleibt der wahre Eigentümer der Güter. Sie sind dem Menschen nur anvertraut zur Verwaltung. Es gilt nicht nur Not zu lindern, sondern auch deren Ursachen beseitigen zu helfen.